Hortensien: warum sie rosa statt blau blühen und wie Garten und Vase gelingen
Kaum eine Pflanze steht in so vielen Schweizer Vorgärten, auf so vielen Balkonen und zum Muttertag in so vielen Stuben wie die Hortensie. Und kaum eine wirft so viele Fragen auf: Warum ist die blaue vom letzten Jahr plötzlich rosa? Darf ich sie im Herbst schneiden? Weshalb hängt der Strauss schon am zweiten Tag? Hier sind die Antworten.
Eine Hortensie als Geschenk? Wir zeigen Ihnen, wo Sie Blumen in die ganze Schweiz schicken können.
Blumen sendenWelche Hortensie steht bei Ihnen?
Die Gattung Hydrangea umfasst rund 70 bis 80 Arten, die meisten aus Ostasien, einige aus Amerika. In Schweizer Gärten begegnen Ihnen vor allem vier, und sie unterscheiden sich in einem Punkt, der über Blüte oder Nicht-Blüte entscheidet: ob sie am alten oder am neuen Holz blühen.
- Bauern- oder Gartenhortensie (H. macrophylla): Die bekannte Kugel in Rosa, Blau oder Weiss, dazu die flachen Tellerhortensien mit einem Kranz grosser Blüten um viele kleine. Stammt aus den Küstengebieten Japans, blüht am alten Holz und ist die Einzige, deren Farbe sich über den Boden verändern lässt.
- Rispenhortensie (H. paniculata): Kegelförmige Blütenstände, die von Cremeweiss über Rosa bis Rot umfärben. Blüht am neuen Holz, verträgt deshalb einen kräftigen Rückschnitt und mehr Sonne, und ist die frosthärteste der Gruppe. Sorten wie «Limelight» oder «Vanille Fraise» sind in Gartencentern Standard.
- Schneeball- oder Waldhortensie (H. arborescens): Grosse weisse Bälle, bekannt durch die Sorte «Annabelle». Blüht am neuen Holz, lässt sich im Spätwinter bodennah zurückschneiden.
- Kletterhortensie (H. anomala subsp. petiolaris): Haftet mit Wurzeln an Mauern und Stämmen, weisse Tellerblüten im Juni, bringt auch eine Nordwand zum Blühen.
Hortensienarten auf einen Blick
| Art | Blüht am | Rückschnitt | Farbe steuerbar |
|---|---|---|---|
| Bauernhortensie | alten Holz | nur Verblühtes im Frühjahr | ja (ausser Weiss) |
| Rispenhortensie | neuen Holz | kräftig im Spätwinter | nein |
| Schneeballhortensie | neuen Holz | kräftig im Spätwinter | nein |
| Kletterhortensie | alten Holz | nur formen, nach der Blüte | nein |
Blau oder rosa: der Boden redet mit
Die Farbe der Bauernhortensie entsteht aus einem einzigen Farbstoff, der sich je nach Begleitung anders zeigt. Kann die Pflanze Aluminium aus dem Boden aufnehmen, lagert es sich in die Blüte ein und das Rosa kippt nach Blau. Aluminium ist aber nur in saurem Boden gelöst; in kalkhaltigem, alkalischem Boden bleibt es fest gebunden, und die Blüte bleibt rosa bis rot. Deshalb ist Blau in der Schweiz oft Handarbeit: Grosse Teile des Mittellands und des Juras liegen auf kalkhaltigem Untergrund, und auch das Leitungswasser ist in vielen Gemeinden hart.
Wer trotzdem Blau will, pflanzt in einen Kübel mit Rhododendron- oder Hortensienerde, giesst mit Regenwasser und gibt im Frühjahr ein Hortensienblau-Präparat dazu, das im Kern aus Alaun, einem Aluminiumsalz, besteht. Im Freiland hilft saure Erde in der Pflanzgrube eine Weile, aber Kalk wandert nach, und nach ein paar Jahren ist die Pflanze wieder rosa. Weisse Sorten enthalten den Farbstoff nicht und bleiben weiss.
Hortensien im Strauss oder im Topf: ein Geschenk, das Wochen bleibt. Geliefert in der ganzen Schweiz.
Sträusse ansehenDie Topfhortensie zum Muttertag
Am zweiten Sonntag im Mai wechseln in der Schweiz unzählige Topfhortensien die Besitzerin. Im Zimmer halten sie zwei bis drei Wochen, wenn sie hell, aber ohne Mittagssonne stehen und der Topf nie austrocknet; Hortensien trinken viel, der Name Hydrangea enthält nicht umsonst das griechische Wort für Wasser. Danach darf die Pflanze in den Garten: nach den Eisheiligen, in Halbschatten, in lockere, humusreiche Erde. Im Jahr darauf blüht sie oft sparsam, weil die Gärtnerei sie unter Glas vorgetrieben hat, ab dem zweiten Jahr normal.
Rückschnitt: der häufigste Fehler
Die meisten Hortensien, die nicht blühen, sind nicht krank, sondern falsch geschnitten. Die Bauernhortensie legt ihre Blütenknospen für das nächste Jahr schon im Spätsommer an den Triebspitzen an; wer sie im Herbst oder Frühjahr «ordentlich» kürzt, schneidet die Blüte weg. Richtig ist: Die alten Blütenstände über den Winter stehen lassen, sie schützen die Knospen vor Frost, und im Frühjahr nur bis zum ersten dicken Knospenpaar zurückschneiden. Alle paar Jahre kommen einige der ältesten Triebe bodennah weg. Bei Rispen- und Schneeballhortensien ist es umgekehrt: Sie blühen am Trieb, der im selben Jahr wächst, und werden im Februar oder März auf ein Drittel bis die Hälfte zurückgeschnitten. Ungeschnitten werden ihre Blüten kleiner, und die Zweige knicken unter dem Gewicht.
Hortensien in der Vase
Als Schnittblume hat die Hortensie einen Ruf als Mimose, und das liegt fast immer am Schnittzeitpunkt. Junge Blüten, die gerade erst Farbe bekommen, verdunsten über ihre grossen Blütenblätter mehr Wasser, als der Stiel nachliefern kann, und fallen innerhalb eines Tages zusammen. Reife Blüten mit satten Farben, die sich leicht papierig anfühlen, halten dagegen eine gute Woche und mehr.
- Stiele schräg anschneiden und alle Blätter entfernen, sie ziehen nur Wasser ab.
- Tief ins Wasser stellen, in eine hohe Vase mit viel kaltem Wasser, ruhig bis zum Hals.
- Täglich nachfüllen und alle zwei Tage komplett wechseln. Frischhaltemittel hilft.
- Hängt ein Kopf, legen Sie ihn eine halbe Stunde ganz in kaltes Wasser und schneiden den Stiel neu an.
- Kühl und ohne Zugluft aufstellen, nicht neben Heizkörper oder Obstschale.
Unsere allgemeinen Pflegetipps gelten auch hier, und wer wissen will, wie die Hortensie im Vergleich zu anderen Blumen abschneidet, findet die Antwort im Ratgeber Welche Schnittblumen halten am längsten.
Hortensien trocknen
Hortensien gehören zu den wenigen Blumen, die in der Vase von selbst zu Trockenblumen werden. Der richtige Zeitpunkt ist der Spätsommer und Herbst, wenn die Blüten ihre Antikfärbung in Grün, Bordeaux oder verwaschenem Blau bekommen; frische Sommerblüten schrumpeln dagegen. Stellen Sie die Stiele in eine Vase mit wenig Wasser und lassen Sie es verdunsten, nach zwei Wochen sind die Köpfe trocken und behalten ihre Form bis zum Frühjahr. Mehr Ideen für die dunkle Jahreszeit finden Sie im Ratgeber Herbstblumen.
Woher die Hortensie kommt und was sie sagt
Die Bauernhortensie wächst wild an den Küsten Japans, wo sie als Ajisai zur Regenzeit im Juni gehört. Im 18. Jahrhundert kam sie nach Europa, und der französische Naturforscher Philibert Commerson gab ihr den Namen, der auf das lateinische Wort für Garten zurückgeht. Anfang der 1960er-Jahre wurden im deutschsprachigen Raum jährlich gegen sieben Millionen Topfhortensien produziert. Als Geschenk steht die Hortensie für Dankbarkeit und Fülle, in Rosa für Herzlichkeit, in Blau für Gelassenheit, in Weiss für Eleganz. Mehr dazu in unserem Ratgeber zur Blumensprache.
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