Blumen senden in der Schweiz: so kommt der Strauss an der richtigen Tür an
Einen Strauss auszusuchen dauert fünf Minuten. Ob er am richtigen Tag bei der richtigen Person ankommt, entscheidet sich an Dingen, die man leicht übersieht: am Namen auf dem Briefkasten, am Feiertagskalender des Kantons, in den geliefert wird, und an der Frage, ob am Zielort überhaupt jemand die Tür öffnet. Hier steht, was Sie in der Schweiz dazu wissen sollten.
Wie eine Blumenbestellung abläuft
Wenn Sie Blumen online bestellen, bindet in den meisten Fällen ein Blumengeschäft in der Nähe der Empfängerin oder des Empfängers den Strauss und bringt ihn persönlich an die Tür. Die Blumen reisen also nicht tagelang im Paket. Der Strauss sieht deshalb nie exakt wie auf dem Foto aus; das Bild zeigt Stil, Farben und Grösse, gebunden wird von Hand mit dem, was am Zielort frisch verfügbar ist. Der Ablauf ist überall ähnlich:
- Strauss wählen, nach Anlass, Farbe und Grösse. Bei Unsicherheit hilft der Abschnitt zu den Anlässen weiter unten.
- Postleitzahl und Liefertag angeben. Der Kalender zeigt, welche Tage für diesen Ort möglich sind. Eine bestimmte Uhrzeit lässt sich in der Regel nicht festlegen, rechnen Sie mit dem ganzen Tag.
- Adresse vollständig ausfüllen, mit allem, was der Bote braucht, um die richtige Klingel zu finden. Dazu gleich mehr.
- Karte schreiben. Ein, zwei persönliche Sätze reichen. Ohne Karte weiss die Empfängerin oft nicht, von wem die Blumen sind.
- Bestellung prüfen und abschliessen. Kontrollieren Sie vor dem Absenden noch einmal Namen, Hausnummer und Liefertag; die meisten Fehler passieren hier.
Strauss aussuchen, Liefertag im Kalender wählen, Karte schreiben.
Zu den SträussenDie Adresse: was in der Schweiz anders ist
Die wenigsten Zustellprobleme haben mit den Blumen zu tun, fast alle mit der Adresse. In der Schweiz kommen ein paar Eigenheiten dazu, die Sie kennen sollten:
- Der Name am Briefkasten entscheidet. Wohnt die Person bei jemandem mit anderem Nachnamen, in einer WG oder zur Untermiete, steht ihr Name oft nicht an der Klingel. Schreiben Sie dann den Namen, der am Briefkasten steht, mit dazu, zum Beispiel als c/o-Zeile.
- Mehrfamilienhaus: Stockwerk oder Wohnungslage angeben, etwa 3. OG links. Bei grossen Überbauungen mit mehreren Eingängen gehört die genaue Hausnummer dazu, nicht die der Siedlung.
- Vier Landessprachen: Schreiben Sie die Adresse so, wie sie am Zielort heisst. In der Romandie ist es die Rue oder die Avenue, im Tessin die Via, und Ortsnamen wie Genève, Biel/Bienne oder Lugano bleiben in der Landessprache. Der Bote vor Ort muss sie finden, nicht Sie.
- Postleitzahl: Die vierstellige PLZ steht vor dem Ort. Prüfen Sie sie, denn viele Ortsnamen gibt es mehrfach, etwa Wil, Buchs oder Kirchberg in verschiedenen Kantonen.
- Postfach geht nicht: Ein Strauss braucht eine Tür. Geben Sie immer die Strassenadresse an.
- Firma: Firmenname, Abteilung und am besten den Empfang als Anlaufstelle, und vorher klären, ob die Person an diesem Tag nicht im Homeoffice ist.
- Spital: Station und Zimmer gehören zur Adresse, und vorher sollte geklärt sein, ob die Abteilung Blumen zulässt. Auf Intensivstationen sind sie meist nicht erlaubt. Alles dazu unter Blumen ans Spital und im Ratgeber Blumen ins Spital.
- Alters- und Pflegeheim: Name der Einrichtung, Wohngruppe oder Abteilung und Zimmernummer. Ein kompakter Strauss, der auf ein Nachttischchen passt, ist dort praktischer als ein grosses Arrangement.
Ist niemand zu Hause, wird der Strauss je nach Ort bei Nachbarn hinterlegt, vor die Tür gestellt oder ein zweites Mal gebracht. Im Hochsommer und bei Frost sollten Blumen nicht stundenlang vor der Tür stehen; wählen Sie dann einen Tag, an dem jemand da ist, oder sagen Sie der Empfängerin kurz Bescheid.
Feiertage: 26 Kantone, 26 Kalender
In der Schweiz gibt es nur einen Feiertag, der im ganzen Land per Bundesrecht gilt: die Bundesfeier am 1. August. Neujahr, Auffahrt und Weihnachten sind in allen Kantonen frei, alles andere ist kantonal geregelt. Das hat eine praktische Folge für den Blumenversand: Massgebend ist der Kanton, in den geliefert wird, nicht Ihr eigener. Wer aus dem reformierten Zürich eine Mutter im katholischen Luzern überraschen will, muss mit Fronleichnam, Mariä Himmelfahrt und Allerheiligen rechnen; in Zürich dagegen ruht die Arbeit am 1. Mai, und die Stadt gibt ihrem Personal am Nachmittag des Sechseläutens frei.
- Praktisch überall frei: Neujahr, Auffahrt, Bundesfeier am 1. August, Weihnachtstag. In den meisten Kantonen zudem Karfreitag, Ostermontag, Pfingstmontag und Stephanstag, in einigen auch der Berchtoldstag am 2. Januar.
- Nur in katholisch geprägten Kantonen und Gemeinden: Fronleichnam, Mariä Himmelfahrt am 15. August, Allerheiligen am 1. November, Mariä Empfängnis am 8. Dezember.
- Tag der Arbeit, 1. Mai: gesetzlicher Feiertag in Zürich, Basel-Stadt, Basel-Landschaft, Jura und Neuenburg, kantonaler Ruhetag in Schaffhausen, Thurgau und Tessin, halber Feiertag in Solothurn.
- Lokale Besonderheiten: das Sechseläuten in der Stadt Zürich an einem Montag im April, an dem das städtische Personal den Nachmittag frei hat, der Jeûne genevois in Genf, die Näfelser Fahrt in Glarus, der 1. März im Kanton Neuenburg. An solchen Tagen haben Geschäfte oft offen, Schulen und Ämter aber geschlossen.
Soll ein Strauss zu einem bestimmten Tag ankommen, der in der Nähe eines Feiertags liegt, legen Sie den Liefertag ein, zwei Tage früher fest. Dann hat das Blumengeschäft vor Ort Zeit, und Sie müssen nicht hoffen.
Sonntag: der Tag ohne Lieferung
Blumengeschäfte sind am Sonntag in der Schweiz fast überall geschlossen, und damit fällt auch die Zustellung aus. Das betrifft ausgerechnet die beiden grössten Blumentage des Jahres: den Muttertag am zweiten Sonntag im Mai und den Schweizer Vätertag am ersten Sonntag im Juni. Die einfache Lösung: Samstag als Liefertag wählen. Ein frisch gebundener Strauss, über Nacht kühl gestellt, sieht am Sonntagmorgen aus wie neu. Dasselbe gilt für den Valentinstag, wenn der 14. Februar auf ein Wochenende fällt, und für Weihnachten, wo der Weihnachtstag und in den meisten Kantonen auch der Stephanstag frei sind.
An diesen Tagen bestellt zudem gefühlt die halbe Schweiz, und beliebte Sträusse sind früh ausgebucht: Rund um Valentinstag, Muttertag und Weihnachten lohnt es sich, einige Tage vorher zu bestellen und den Liefertag fest zu wählen. Vor Allerheiligen gilt dasselbe für Gestecke und Schalen, die in katholischen Kantonen auf die Gräber kommen; Hinweise dazu stehen im Ratgeber Blumen zu Allerheiligen.
Für Muttertag, Valentinstag und andere Stosstage den Liefertag früh festlegen.
Liefertag wählenWelcher Strauss zu welchem Anlass?
Zur schnellen Orientierung; die Details stehen in den verlinkten Ratgebern:
- Geburtstag: bunt, fröhlich, gern in der Lieblingsfarbe der Person.
- Liebe: rote Rosen sind eindeutig, rosa Rosen und Pfingstrosen leiser.
- Kondolenz: weisse und helle Blumen, schlicht gebunden, Lieferung ins Trauerhaus, nicht an die Abdankung.
- Genesung: kleine, helle Sträusse ohne starken Duft, die auf ein Nachttischchen passen.
- Kolleginnen und Kollegen: neutral und unkompliziert, etwa Gerbera oder Sonnenblumen.
- Matura und Lehrabschluss: kräftige Sommerfarben, Lieferung nach Hause statt an die Schule.
Lebt beim Empfänger eine Katze, verzichten Sie auf Lilien; warum, erklärt der Ratgeber zu giftigen Blumen für Haustiere. Was einzelne Farben und Sorten ausdrücken, steht in der Blumensprache.
Die Karte: Sprache, Ton und Anonymität
Schreiben Sie die Karte in der Sprache der Person, die sie liest, nicht in der des Zielorts. Ein Zürcher, der in Lausanne studiert, freut sich über Deutsch; eine Tessinerin in Basel über Italienisch. Zwei Sätze genügen, Hauptsache persönlich. Wer anonym bleiben will, lässt den Namen einfach weg. Bedenken Sie aber, dass eine Karte ohne Absender manche Menschen eher verunsichert als freut; ein Hinweis wie «von jemandem, der an dich denkt» wirkt freundlicher als gar nichts. Ihre eigenen Kontaktangaben braucht die Bestellung trotzdem, damit man Sie bei Fragen zur Zustellung erreicht. Auf der Karte stehen sie nicht.
Soll der Strauss möglichst lange halten, wählen Sie ausdauernde Sorten; welche das sind, zeigt der Vergleich Welche Schnittblumen halten am längsten?, und unsere Pflegetipps können Sie der Empfängerin gleich mitschicken.
Blumen ins Ausland
Auch über die Grenze lassen sich Blumen schicken. Rechnen Sie dann mit den Feiertagen des Ziellandes: In Deutschland etwa fällt der Vatertag auf Auffahrt, in Österreich auf den zweiten Sonntag im Juni. Ob und an welchen Tagen in ein Land geliefert wird, sehen Sie bei der Bestellung, sobald Sie das Zielland gewählt haben.