Pfingstrosen: wenige Wochen Blüte, die man richtig nutzen sollte
Die Pfingstrose macht es spannend: Elf Monate lang sieht man von ihr nur Laub oder nichts, dann öffnen sich innerhalb weniger Wochen Blüten so gross wie eine Hand, und ehe man sich sattgesehen hat, ist die Saison vorbei. Diese Kürze macht sie so begehrt, im Garten wie im Brautstrauss. Wir erklären, woher der Name kommt, welche Gruppen es gibt, wie Knospen in der Vase aufgehen und warum eine falsch gepflanzte Pfingstrose jahrelang nicht blüht.
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Blumen sendenWarum sie Pfingstrose heisst
Der deutsche Name verrät die Blütezeit: Pfingsten liegt fünfzig Tage nach Ostern, also zwischen dem 10. Mai und dem 13. Juni, und genau in diesen Wochen stehen die Pfingstrosen in Schweizer Gärten in voller Blüte. In der Romandie heisst die Blume pivoine, im Tessin peonia; beide Namen gehen wie der Gattungsname Paeonia auf Paian zurück, den Arzt der Götter in der griechischen Sage. Tatsächlich wurde die Pfingstrose über Jahrhunderte als Heilpflanze genutzt, ihre Samen noch bis ins 20. Jahrhundert gegen Epilepsie, was aus heutiger Sicht nicht zu empfehlen ist.
Drei Gruppen, drei Charaktere
- Stauden-Pfingstrosen: Sie ziehen im Herbst komplett ein und treiben im Frühling neu aus dem Boden. Dazu gehören die Bauern-Pfingstrose (Paeonia officinalis) aus Südeuropa mit ihren tiefroten, gefüllten Blüten, die seit dem Mittelalter in Klostergärten steht, und die Edel-Pfingstrose (Paeonia lactiflora) aus China und Sibirien, aus der fast alle Schnittsorten hervorgegangen sind. Sie blüht etwas später, oft duftend, in Weiss, Rosa, Rot und Koralle.
- Strauch-Pfingstrosen: Verholzende Sträucher, die ihr Gerüst über den Winter behalten und bis zwei Meter hoch werden. Ihre Blüten sind die grössten der Gattung und erscheinen bereits Anfang bis Mitte Mai. In China werden sie seit über tausend Jahren gezüchtet, nach Europa kamen sie Ende des 18. Jahrhunderts.
- Itoh-Hybriden: Kreuzungen aus beiden Gruppen, benannt nach dem japanischen Züchter Toichi Itoh. Sie ziehen wie Stauden ein, haben aber das kräftige Laub und die Blütengrösse der Sträucher, oft in Gelb und Apricot, die es bei Stauden-Pfingstrosen kaum gibt.
Pfingstrosengruppen im Vergleich
| Gruppe | Höhe | Blüte | Pflanztiefe der Augen |
|---|---|---|---|
| Stauden-Pfingstrose | 60 bis 100 cm | Mitte Mai bis Mitte Juni | 3 bis 5 cm |
| Strauch-Pfingstrose | bis 200 cm | Anfang bis Ende Mai | 10 bis 15 cm |
| Itoh-Hybride | 70 bis 90 cm | Ende Mai bis Juni | etwa 5 cm |
Sorten, die Sie beim Floristen wiedererkennen
Die Schnittpfingstrosen im Handel stammen praktisch alle von der Edel-Pfingstrose ab, und viele der heute gängigen Sorten sind über hundert Jahre alt.
- «Sarah Bernhardt»: Gefüllt, hellrosa, duftend, die wohl bekannteste Schnittsorte. Benannt nach der französischen Schauspielerin.
- «Festiva Maxima»: Weiss mit karminroten Sprenkeln in der Mitte, kräftiger Duft.
- «Duchesse de Nemours»: Cremeweiss, gefüllt, zart duftend, in Brautsträussen ein Dauergast.
- «Coral Charm»: Halbgefüllt, öffnet korallenrot und verblasst über Lachs zu Cremegelb, sodass ein Strauss nach einer Woche ganz anders aussieht als am ersten Tag.
- «Karl Rosenfield»: Dunkelrot, gefüllt, die Farbe der Bauern-Pfingstrose auf langen Stielen.
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Sträusse ansehenVon der Knospe zur Blüte: Pfingstrosen in der Vase
Pfingstrosen werden als Knospe gehandelt, denn die Blüte öffnet sich in der Vase besser als auf dem Transport. Der Trick liegt im richtigen Stadium: Die Knospe sollte schon Farbe zeigen und sich beim Drücken weich anfühlen wie ein Marshmallow. Steinharte Knospen bleiben oft zu, offene Blüten halten nur noch zwei, drei Tage. Richtig gekauft, stehen Pfingstrosen etwa eine Woche bis zehn Tage.
- Knospen abspülen: Auf den Knospen klebt oft ein süsser Film, der die Blütenblätter verklebt. Kurz unter lauwarmem Wasser abspülen, dann öffnen sie sich leichter.
- Stiele anschneiden, zwei bis drei Zentimeter schräg, und alle Blätter unterhalb der Wasserlinie entfernen. Ein, zwei Blätter oben dürfen bleiben.
- Tempo steuern: Soll der Strauss am Samstag perfekt sein, stellen Sie ihn in lauwarmes Wasser an einen warmen Platz. Soll er langsam aufgehen, kaltes Wasser und ein kühler Raum.
- Wasser alle zwei Tage wechseln und die Vase ausspülen. Pfingstrosen trinken viel, besonders während des Aufblühens.
- Vorrat anlegen: Knospen lassen sich trocken, in Papier gewickelt, einige Tage im Kühlschrank lagern, etwa wenn die Blumen vor einem Fest ankommen.
Allgemeine Regeln für Schnittblumen finden Sie in unseren Pflegetipps, einen Vergleich der Haltbarkeit im Ratgeber Welche Schnittblumen halten am längsten.
Pfingstrosen pflanzen: einmal richtig, dann für Jahrzehnte
Eine Pfingstrose ist eine Investition in die Zukunft. Sie braucht zwei bis drei Jahre, bis sie richtig blüht, bleibt dann aber über Generationen an derselben Stelle; so manche rote Bauern-Pfingstrose in einem alten Schweizer Garten ist älter als das Haus daneben. Gepflanzt wird im September und Oktober, damit die Wurzeln vor dem Winter anwachsen, an einen sonnigen Platz in tiefgründigen, nährstoffreichen Boden ohne Staunässe.
Der häufigste Fehler ist die Pflanztiefe. Die Augen, die roten Knospen am Wurzelstock, dürfen bei Stauden-Pfingstrosen nur drei bis fünf Zentimeter unter die Erde; sitzen sie tiefer, wächst die Pflanze üppig, blüht aber nicht. Bei veredelten Strauch-Pfingstrosen kommt die Veredlungsstelle dagegen zehn bis fünfzehn Zentimeter tief, damit die Edelsorte eigene Wurzeln bildet. Braune, welkende Triebe im feuchten Frühling deuten auf Grauschimmel: Befallene Teile sofort abschneiden und im Kehricht entsorgen, im Herbst das gesamte Laub entfernen.
Wilde Pfingstrosen in der Schweiz
Dass die Bauern-Pfingstrose eine Wildpflanze ist, vergisst man leicht. Ihr natürliches Verbreitungsgebiet reicht von Südeuropa bis an den Südrand der Alpen, und ein einziger Vorposten liegt in der Schweiz: am Monte Generoso im südlichen Tessin. Der Bestand ist klein, gilt national als verletzlich und ist in der ganzen Schweiz vollständig geschützt. Wer ihn im Mai oder Juni sieht, hat Glück gehabt, und lässt ihn stehen. Für den eigenen Garten gibt es die Bauern-Pfingstrose in jeder Staudengärtnerei.
Pfingstrosen als Geschenk
In China ist die Pfingstrose seit der Tang-Zeit die Blume von Reichtum, Ehre und Glück, und ein Teil dieser Bedeutung ist mit ihr nach Europa gewandert: Sie steht für ein erfülltes Leben und eine glückliche Ehe. Deshalb ist sie im Frühsommer die beliebteste Blume für Hochzeit und Jubiläum, und wer im Mai oder Juni Geburtstag hat, bekommt mit ihr etwas, das es den Rest des Jahres nicht gibt. Zum Muttertag am zweiten Sonntag im Mai sind die ersten Schnittpfingstrosen gerade da. Mehr zu den Bedeutungen in unserem Ratgeber zur Blumensprache.
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