Kondolenz: Blumen und Worte nach einem Todesfall
Ein Todesfall im Umfeld löst dieselben Fragen aus: Schicke ich Blumen, wohin, wann, und was schreibe ich dazu? In der Schweiz kommen eigene Gepflogenheiten dazu, vom Leidzirkular bis zur Formel „anstelle von Blumen“. Dieser Ratgeber beantwortet die Fragen in der Reihenfolge, in der sie sich in den Tagen nach der Nachricht stellen.
Einen Kondolenzstrauss an die Angehörigen schicken, mit Karte und ohne Umwege.
Trauerblumen ansehenErst lesen, dann schicken: Leidzirkular und Todesanzeige
In der Schweiz erfahren Sie von einem Todesfall meist auf einem von zwei Wegen: durch die Todesanzeige in der Zeitung oder durch das Leidzirkular, die gedruckte Anzeige, die die Familie per Post an Verwandte, Freunde und Bekannte verschickt. Beide enthalten fast immer drei Angaben, die Ihre nächsten Schritte bestimmen.
- Die Traueradresse: Dorthin gehen Karten und Blumen für die Angehörigen. Es ist meist die Wohnadresse der Witwe, des Witwers oder eines Kindes, manchmal ein Postfach des Bestattungsinstituts.
- Ort und Zeit der Abdankung: So heisst die Trauerfeier in der Schweiz. Weil die grosse Mehrheit der Verstorbenen hierzulande kremiert wird, findet die Urnenbeisetzung oft im engsten Kreis statt, und die Abdankung folgt oft erst einige Wochen nach dem Tod. Sie haben also Zeit.
- Der Satz „anstelle von Blumen“: Steht er in der Anzeige, bittet die Familie darum, statt Kränzen und Gestecken an eine genannte Organisation zu spenden. Das betrifft die Trauerfeier. Eine Karte ist immer richtig, und ein persönlicher Strauss nach Hause einige Wochen später steht nicht im Widerspruch dazu.
Fehlt eine Traueradresse, schreiben Sie an die Person aus der Familie, die Sie kennen. Blumen an die Abdankungshalle oder an den Friedhof zu schicken, ohne dass jemand sie entgegennimmt, funktioniert nicht; dafür gibt es den Weg über das Bestattungsinstitut, dazu gleich mehr.
Zwei verschiedene Dinge: Blumen für die Feier, Blumen für die Menschen
Trauerfloristik hat zwei Adressaten, und die Verwechslung ist der häufigste Fehler.
Für die Abdankung
Kranz, Gesteck oder Urnenschmuck werden mit einer Schleife versehen, auf der Ihr Name oder „In stiller Trauer, die Nachbarn vom Haldenweg“ steht. Diese Stücke bestellen Sie bei einer Floristin am Ort der Feier oder über das Bestattungsinstitut, das die Angehörigen betreut. Beide wissen, wann der Raum offen ist und wie gross der Schmuck sein darf. Für eine Urnenfeier sind kleinere Gestecke üblich als für eine Erdbestattung. Mehr dazu in unserem Ratgeber Blumen zur Beerdigung.
Für die Angehörigen
Das ist der Kondolenzstrauss im eigentlichen Sinn: ein Strauss, der nach Hause kommt, in eine Vase passt und sagt, dass jemand an die Familie denkt. Er braucht keine Schleife, aber eine Karte. Dafür eignet sich der Blumenversand, denn der Strauss wird an die Wohnadresse gebracht, von einer Floristin aus der Region der Empfänger gebunden.
Welche Blumen passen
Weiss und Creme sind in der Schweiz die Farben der Trauer, und wer unsicher ist, bleibt dabei. Eine Pflicht ist es nicht. Wenn die verstorbene Person Sonnenblumen liebte oder immer in Rot gekleidet war, darf der Strauss das zeigen; die Familie versteht die Anspielung.
- Weisse Lilien: Die feierlichste Wahl, in Kirchen und Abdankungshallen zu Hause. Für eine kleine Wohnung ist der Duft orientalischer Sorten oft zu stark, und in einem Haushalt mit Katze sind Lilien tabu, weil sie für Katzen tödlich giftig sind. Dann lieber Rosen.
- Weisse oder cremefarbene Rosen: Ruhig, geruchsarm, passend für jede Beziehung vom Nachbarn bis zur Schwester. Mit Eukalyptus oder Olivenzweigen wirken sie weniger steif.
- Weisse Tulpen: Von Januar bis April die schlichteste Möglichkeit. Sie wirken leicht, fast tröstlich, und passen zu Menschen, die nichts Pompöses wollten.
- Weisse Nelken: Halten in der Vase deutlich länger als die meisten anderen Schnittblumen. In einer Woche, in der niemand ans Wasserwechseln denkt, ist das ein echter Vorteil.
- Chrysanthemen: Im Herbst die naheliegende Wahl, besonders rund um Allerheiligen. In der Romandie und im Tessin sind sie noch stärker mit dem Totengedenken verbunden als in der Deutschschweiz.
- Eine Topfpflanze: Eine weisse Orchidee oder ein Alpenveilchen bleibt Monate und erinnert länger an die Geste als jeder Strauss. Für ältere Angehörige oft die bessere Wahl.
Weisse Sträusse und Gestecke für die Trauer, zugestellt an die Traueradresse.
Sträusse ansehenDer richtige Zeitpunkt
In den ersten Tagen nach einem Todesfall steht das Telefon nicht still, und Sträusse kommen gleich mehrere an. Wer kann, schickt die Blumen entweder sofort mit einer kurzen Karte oder bewusst später. In katholischen Gegenden der Schweiz wird rund um den dreissigsten Tag nach dem Tod der Dreissigste gefeiert, ein Gedächtnisgottesdienst. Ein Strauss zu diesem Anlass oder einfach vier Wochen danach, wenn der Alltag die Trauernden eingeholt hat, wird oft stärker wahrgenommen als der zehnte Strauss in der ersten Woche. Beides zusammen, Karte sofort und Blumen später, ist eine gute Lösung.
Was auf die Karte gehört
Eine Kondolenzkarte muss nicht lang sein, aber sie muss von Ihnen sein. Die gebräuchlichste Formel in der Schweiz ist „Herzliches Beileid“, nicht „Mein aufrichtiges Beileid“, das eher nach Formular klingt. Dann folgt ein Satz, der zeigt, dass Sie die Person oder die Familie wirklich kennen. Zum Schluss ein Angebot, das Sie halten können.
- „Herzliches Beileid, liebe Familie Gerber. Hans hat uns dreissig Jahre lang jeden Morgen über den Gartenzaun gegrüsst. Wir werden ihn vermissen.“
- „Liebe Anna, ich habe heute vom Tod deiner Mutter gelesen und denke an dich. Wenn du in den nächsten Wochen Hilfe mit den Kindern brauchst, ruf mich an.“
- „In stiller Anteilnahme. Wir waren mit Ruth im Turnverein und erinnern uns an viele Lager und ihr Lachen. Der Vorstand des TV Oberdorf“
Mundart ist in Ordnung, wenn Sie mit der Familie so sprechen. Vermeiden Sie Deutungen, die trösten sollen, aber übergriffig wirken: „Es war eine Erlösung“ oder „Die Zeit heilt alle Wunden“ gehören nicht auf die Karte. Unterschreiben Sie mit Vor- und Nachnamen, denn die Familie bekommt in diesen Tagen Post von Menschen, die sie kaum zuordnen kann.
Wenn Sie weit weg sind
Wer im Ausland oder am anderen Ende der Schweiz lebt und nicht zur Abdankung kommen kann, hat drei Möglichkeiten, die sich ergänzen: eine handgeschriebene Karte per Post an die Traueradresse, ein Strauss an dieselbe Adresse mit kurzer Nachricht, und ein Anruf einige Tage nach der Feier, wenn die Besucher weg sind. Wie das Bestellen mit Karte funktioniert, steht in unserer Anleitung Blumen senden; was einzelne Blumen und Farben ausdrücken, in der Blumensprache.