Blumensprache: Was Blumen sagen und was davon in der Schweiz zählt

Rote Rosen für die Liebe, weisse Lilien für die Trauer, Mimosen von den Waggis an der Basler Fasnacht: Blumen tragen Botschaften, auch wenn niemand mehr ein Blumenbüchlein auswendig kann. Diese Seite erklärt, wo die Blumensprache herkommt, welche Bedeutungen heute noch verstanden werden, wo die Schweiz ihre eigenen Regeln hat und wann Sie den alten Code besser ignorieren.

Ein Code aus Istanbul, verfeinert in Paris und London

Dass ein Strauss etwas «sagen» kann, ist eine alte Idee, aber die ausgearbeitete Blumensprache mit festen Bedeutungen kam erst im 18. Jahrhundert nach Europa. Lady Mary Wortley Montagu, Frau des britischen Gesandten am osmanischen Hof, beschrieb 1718 in Briefen aus Istanbul den sogenannten Selam: eine Art Geheimschrift, bei der Blumen, Früchte und kleine Gegenstände über Reimwörter mit Botschaften verknüpft waren. Ihre Briefe wurden in ganz Europa gelesen, und bald erschienen in Paris und London Bücher, die jeder Blume eine Bedeutung zuwiesen. Das bekannteste stammte von einer Autorin mit dem Pseudonym Charlotte de Latour; es wurde in viele Sprachen übersetzt und immer wieder neu aufgelegt.

Im deutschsprachigen Raum erlebte die Blumensprache ihre Hochzeit im Biedermeier. Kleine Büchlein lagen in bürgerlichen Stuben, und wer ein Vergissmeinnicht schickte, musste nichts dazuschreiben. Im viktorianischen England wuchs daraus ein regelrechtes Regelwerk, in dem sogar zählte, ob eine Blüte nach oben oder nach unten gehalten wurde. Ein Haken allerdings blieb immer: Die Bücher widersprachen sich. Dieselbe Blume konnte in einem Band Treue und im nächsten Misstrauen bedeuten. Wer heute eine Bedeutung nachschlägt, sollte das im Hinterkopf behalten.

Die Botschaft ist klar, der Strauss noch nicht? Wir zeigen, wo Sie Blumen in die ganze Schweiz schicken können.

Blumen senden

Blumen, die in der Schweiz etwas Besonderes sagen

Neben dem internationalen Code gibt es Bedeutungen, die man nur hier versteht, weil sie an Landschaft, Feste oder Bräuche gebunden sind.

  • Edelweiss: Das Alpen-Edelweiss ist nach der letzten Eiszeit aus den Steppen Zentralasiens in die Alpen eingewandert und wächst heute zwischen etwa 1800 und 3000 Metern. Seit dem 19. Jahrhundert steht es für Mut, Ausdauer und die Verbundenheit mit den Bergen, und kaum ein anderes Motiv ist so eng mit der Schweiz verknüpft. In allen Kantonen ist es geschützt; geschenkt wird es deshalb nur aus der Gärtnerei.
  • Mimosen und Rosen an der Fasnacht: An den Cortèges der Basler Fasnacht verteilen die Waggis von den Wagen Süssigkeiten und Orangen an die Kinder und Blumen, vor allem Mimosen und Rosen, an die Mädchen. Eine Mimose im Februar oder März sagt in Basel darum vor allem: Fasnacht.
  • Blumen fürs Sechseläuten: Beim Zürcher Frühlingsfest am dritten Montag im April werden die Zünfter beim Umzug von den Zuschauern mit Blumen beschenkt. Frühlingsblumen gehören hier zum Dank für den Winter, der mit dem Böögg verbrannt wird.
  • Nelken zum Muttertag: Dass der Muttertag in der Schweiz am zweiten Sonntag im Mai gefeiert wird, geht auch auf die Blumenhändler, Gärtner und Confiseure zurück, die den Tag um 1930 mit Plakaten, Radio und Schaufenstern bekannt machten. Rosa Nelken und Rosen gehören zu den klassischen Muttertagsblumen, dazu Pfingstrosen, deren Saison gerade beginnt.
  • Chrysanthemen zu Allerheiligen: In den katholischen Kantonen und in der Romandie schmücken Chrysanthemen am 1. November die Gräber. Deshalb verbinden viele sie dort mit Abschied und Erinnerung; als fröhliches Geschenk sind sie in der Deutschschweiz unverfänglicher als im Tessin oder im Wallis.

Die Klassiker und ihre Botschaft

Von den Hunderten Bedeutungen der alten Bücher sind ein paar Dutzend übrig geblieben, die praktisch jeder versteht. Das sind die wichtigsten:

  • Rose: Rot ist Liebe, ohne Wenn und Aber. Rosa steht für Zuneigung und Dank, Weiss für Reinheit und wird bei Hochzeit und Trauer gleichermassen verwendet, Gelb heute meist für Freundschaft. Mehr dazu im Ratgeber Rosen.
  • Tulpe: Frühling, Neubeginn, unkomplizierte Freude. Rote Tulpen gelten als leichtere Liebeserklärung als rote Rosen. Siehe Tulpen.
  • Lilie: Würde und Reinheit. Die weisse Lilie ist seit Jahrhunderten ein Mariensymbol und in der Trauerfloristik ein Klassiker. Im Haus mit Katze ist sie allerdings gefährlich, siehe Lilien.
  • Nelke: Lange als altmodisch verschrien, heute wieder geschätzt. Rot heisst Bewunderung, Rosa Mutterliebe, Weiss Treue. Die Nelke ist eine der haltbarsten Schnittblumen, siehe Nelken.
  • Sonnenblume: Wärme, Treue, Lebensfreude. Passt zum Geburtstag, zur Genesung und als Dank an Kolleginnen.
  • Pfingstrose: Glück, Wohlstand und eine gute Ehe, in China seit Jahrhunderten die Blume der Reichen und Mächtigen. Darum so beliebt bei der Hochzeit.
  • Hortensie: Dankbarkeit und Fülle. Als Topfpflanze zum Muttertag ein Dauerbrenner, siehe Hortensien.
  • Vergissmeinnicht: Der Name ist die Botschaft. Erinnerung, Treue, Abschied auf Zeit.
  • Narzisse: Neubeginn und Hoffnung, aber auch Eitelkeit, wenn man dem griechischen Mythos folgt. Im Frühling nimmt das niemand übel.
  • Orchidee: Bewunderung, Luxus, Seltenheit. Ein Geschenk, das sagt: Ich habe mir Gedanken gemacht.

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Farben: eine Orientierung, keine Grammatik

Wenn Sie sich keine einzelne Blumenbedeutung merken wollen, reicht meist die Farbe. Rot ist Leidenschaft und Liebe, Rosa Zärtlichkeit und Dank, Weiss Reinheit, Respekt und Trauer, Gelb und Orange Freude und Energie, Violett Bewunderung und ein Hauch Extravaganz, Grün Hoffnung. Blau kommt in der Natur bei Schnittblumen selten vor; blaue Rosen oder blaue Orchideen sind in der Regel gefärbt, was man wissen sollte, bevor man ihnen eine tiefe Bedeutung zuschreibt.

Zwei Farben sind heikel. Weiss passt zur Hochzeit wie zur Beerdigung, der Rahmen entscheidet also, nicht die Blume. Und Gelb hat in alten Büchern einen schlechten Ruf, von Eifersucht bis Untreue; heute versteht das kaum noch jemand so, aber bei einer Entschuldigung oder einem ersten Date wählen Sie vielleicht trotzdem eine andere Farbe.

Anlässe im Schweizer Jahr

Die Blumensprache wird dann wichtig, wenn ein Strauss für Sie sprechen soll, weil Sie nicht selbst dabei sind. Zum Valentinstag am 14. Februar funktionieren rote Rosen oder rote Tulpen überall im Land. Der Muttertag am zweiten Sonntag im Mai ist der grösste Blumentag des Jahres; hier zählt eher die Lieblingsfarbe der Mutter als ein alter Code. Der Schweizer Vätertag am ersten Sonntag im Juni ist jung, im Tessin wird er wie in Italien am Josefstag, dem 19. März, gefeiert; kräftige Farben und Sonnenblumen passen gut. Zu Hochzeit und Jubiläum gehören Weiss, Rosa und Pfingstrosen, zur Kondolenz Weiss und viel Grün, und zum Allerheiligen in den katholischen Kantonen Chrysanthemen, Heidekraut und Gestecke mit Tannengrün.

Ein Sonderfall ist der Besuch im Spital: Dort sprechen weniger die Bedeutungen als die Praxis. Stark duftende Blumen wie orientalische Lilien stören im Mehrbettzimmer, und manche Abteilungen erlauben gar keine Schnittblumen. Fragen Sie vorher nach.

So nutzen Sie die Blumensprache heute

  1. Denken Sie an die Person, nicht an das Buch. Wer Sonnenblumen liebt, freut sich über Sonnenblumen, auch wenn ein Lexikon etwas anderes empfiehlt.
  2. Vermeiden Sie die bekannten Fallen. Weisse Lilien zum Geburtstag, gelbe Rosen zur Versöhnung und Chrysanthemen zum Jubiläum in der Romandie können falsch verstanden werden.
  3. Lassen Sie den Rahmen sprechen. Rot zum Valentinstag ist eindeutig, Rot zum Dank an die Nachbarin eher nicht. Eine neutrale Farbe und eine Karte lösen das.
  4. Schreiben Sie es dazu. Ein Satz auf der Karte ersetzt jede Deutung. Die Blume unterstreicht die Botschaft, sie muss sie nicht allein tragen.

Wie Sie den passenden Strauss bestellen und was bei der Lieferung zu beachten ist, lesen Sie im Ratgeber Blumen senden.

Häufige Fragen zur Blumensprache

Bedeuten gelbe Rosen wirklich Eifersucht?
In alten Blumenbüchern ja, im heutigen Alltag kaum noch. Die meisten Beschenkten sehen in gelben Rosen Freundschaft und gute Laune. Wenn Sie ganz sicher gehen wollen, schreiben Sie zwei Zeilen auf die Karte; die Karte gewinnt immer gegen den alten Code.
Welche Blumen passen zu einer Kondolenz?
Weisse Blumen sind in der ganzen Schweiz die sichere Wahl: Lilien, Rosen, Chrysanthemen oder Nelken, gern mit viel Grün. In katholischen Kantonen und in der Romandie sind Chrysanthemen stark mit Allerheiligen und dem Friedhof verbunden, dort passen sie zur Trauer sehr gut, als Geburtstagsgeschenk dagegen weniger.
Darf ich Edelweiss schenken?
Gezüchtetes Edelweiss aus der Gärtnerei ja, in der Natur gepflücktes nein. Das Alpen-Edelweiss steht in allen Kantonen unter Schutz und darf nicht gepflückt werden. Als Topfpflanze oder getrocknet im Sträusschen ist es ein sehr schweizerisches Geschenk, das Ausdauer und Verbundenheit mit den Bergen ausdrückt.
Wie viele Rosen schenkt man?
Eine feste Regel gibt es in der Schweiz nicht. Eine einzelne Rose ist eine klare, persönliche Geste, ein Dutzend der Klassiker zum Valentinstag. Wichtiger als die Zahl sind Frische und Farbe. Wer eine Zahl mit Bedeutung sucht, nimmt das Alter des Beschenkten oder die Jahre, die man sich kennt.

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