Sonnenblume: von den Feldern Amerikas in die Schweizer Vase

Gelb, gross, fröhlich: Kaum eine Blume ist so eindeutig wie die Sonnenblume (Helianthus annuus). Dahinter steckt eine Kulturpflanze mit über viertausend Jahren Geschichte und ein Bewegungstrick, den nur junge Pflanzen beherrschen. Hier lesen Sie, welche Sorten in die Vase gehören, wie der Strauss länger hält und wie Sie Sonnenblumen selber ziehen.

Gelbe Sonnenblume mit brauner Mitte im Sonnenlicht
Die klassische Gelbe
Dunkelrote Sonnenblume in Nahaufnahme
Rotbraune Züchtung
Blassgelbe Sonnenblume mit heller Mitte
Helle, cremefarbene Sorte

Ein Sonnenblumenstrauss zum Geburtstag, zum Schulanfang oder einfach so.

Sträusse ansehen

Eine Kulturpflanze mit langer Reise

Die Sonnenblume stammt aus Nord- und Mittelamerika; Funde zeigen, dass sie um 2500 vor Christus am Mississippi und im Gebiet des heutigen Mexiko-Stadt angebaut wurde. 1552 brachten spanische Seefahrer die ersten Kerne nach Europa, und das Kräuterbuch von Pietro Andrea Mattioli hält fest, dass sie 1584 schon in Mitteleuropa blühte. Heute ist sie auch bei uns eine Feldkultur: 2021 wuchsen in der Schweiz auf rund 4800 Hektaren Sonnenblumen, vor allem für Speiseöl. An vielen Feldrändern im Mittelland stehen im Sommer Reihen zum Selberpflücken mit einer Kasse am Rand.

Warum die Sonnenblume der Sonne folgt – und wann sie damit aufhört

Der Name stimmt nur zur Hälfte. Junge Pflanzen und Knospen verfolgen die Sonne tatsächlich: morgens nach Osten, abends nach Westen, nachts drehen sie zurück, weil die Schattenseite des Stiels schneller wächst als die Sonnenseite. Sobald sich die Blüte öffnet, erstarrt der Stiel. Deshalb schauen die reifen Köpfe eines Feldes fast alle nach Osten zum Sonnenaufgang; wer meint, ein ganzes Feld drehe ihm den Rücken zu, steht auf der falschen Seite.

Auch die „Blüte“ ist ein Blütenstand: Der gelbe Kranz besteht aus Zungenblüten, die braune Mitte aus Hunderten kleiner Röhrenblüten, aus denen die Kerne werden, angeordnet in Spiralen nach den Fibonacci-Zahlen. Typische Pflanzen werden ein bis zwei Meter hoch, Riesensorten drei; der Guinness-Weltrekord liegt bei 9,17 Metern.

Sorten für Vase, Beet und Vogelfutter

Schnittsonnenblumen sind fast immer Züchtungen mit einem Kopf pro Stiel und ohne Pollen, etwa aus den Serien ‚Sunrich‘ und ‚ProCut‘; Pollen würde auf das Tischtuch rieseln und die Haltbarkeit verkürzen. Für den Garten gibt es mehr Vielfalt: ‚Teddy Bear‘ mit gefüllten Pompon-Blüten für den Balkontopf, dunkelrote Sorten wie ‚Velvet Queen‘ für Herbststräusse, die cremefarbene ‚Italian White‘ und Riesen wie ‚Russian Giant‘. Im Strauss passen Sonnenblumen zu Dahlien, Hagebutten und Gräsern; fünf bis sieben Stiele allein in einer schweren Vase brauchen keine Begleitung.

Sonnenblumen im Strauss, kombiniert mit Blumen der Saison.

Zur Auswahl

In der Vase: so bleiben die Köpfe oben

Sonnenblumen trinken enorm viel, und ihre schweren Köpfe sitzen auf einem Stiel, der schnell verstopft. So halten sie eine gute Woche, frisch geschnitten auch zehn Tage:

  1. Anschneiden: Zwei bis drei Zentimeter schräg mit einem scharfen Messer, nicht quetschen.
  2. Blätter weg: Alles unter der Wasserlinie entfernen, Sonnenblumenblätter faulen schnell.
  3. Schwere Vase, viel Wasser: Zu zwei Dritteln füllen, täglich nachgiessen, alle zwei Tage wechseln.
  4. Kühl stellen: Nicht neben Backofen, Heizung oder Obstschale.
  5. Hängende Köpfe retten: Neu anschneiden, Stunden tief in lauwarmes Wasser stellen, Kopf am Vasenrand abstützen.

Sonnenblume auf einen Blick

MerkmalAngabe
Botanischer NameHelianthus annuus
HerkunftNord- und Mittelamerika
Blütezeit in der SchweizJuli bis September
Höhemeist 1–2 m, Riesensorten bis 3 m
Vasenlebenetwa 7–10 Tage
Für Haustiereungiftig

Sonnenblumen selber ziehen

Kaum eine Blume ist für Kinder so dankbar. Säen Sie ab Mitte Mai direkt ins Beet, wenn nach den Eisheiligen keine Nachtfröste mehr drohen, in höheren Lagen Ende Mai: zwei bis drei Zentimeter tief, mit viel Abstand, an den sonnigsten Platz. Riesensorten brauchen einen Stab, sobald sie hüfthoch sind. Lassen Sie im Herbst einige Köpfe stehen, die Kerne füttern Meisen und Finken bis in den Winter.

Gute Nachricht für Tierhalter: Die Sonnenblume gilt als ungiftig für Katzen, Hunde und Pferde. Begleiter im Strauss wie Chrysanthemen und Dahlien sind dagegen unverträglich, Lilien für Katzen lebensgefährlich; mehr im Ratgeber Giftige Blumen für Haustiere.

Ein Strauss Sonnenblumen bringt den Sommer ins Zimmer – auch an einem grauen Tag.

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Häufige Fragen zu Sonnenblumen

Folgen Sonnenblumen wirklich der Sonne?
Nur solange sie jung sind. Knospen wandern tagsüber von Ost nach West und drehen sich nachts zurück. Sobald die Blüte offen ist, erstarrt der Stiel, und die Köpfe eines Feldes schauen dauerhaft nach Osten.
Wann säe ich Sonnenblumen in der Schweiz aus?
Ab Mitte Mai direkt ins Beet, wenn nach den Eisheiligen keine Nachtfröste mehr drohen; in höheren Lagen Ende Mai. Wer früher Blüten möchte, zieht ab April am Fenster vor. Die Blüte beginnt je nach Sorte zwei bis drei Monate nach der Aussaat.
Sind Sonnenblumen für Katzen und Hunde giftig?
Nein. Die Sonnenblume gilt als ungiftig für Katzen, Hunde und Pferde und kann in einem Haushalt mit Tieren ohne Bedenken auf dem Tisch stehen. Bei Vergiftungsverdacht durch andere Pflanzen hilft Tox Info Suisse unter der Nummer 145.

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