Dahlien: Blütenformen, Vasentipps und Überwintern der Knollen
Von Ende Juli bis zur ersten Frostnacht gibt es im Schweizer Garten kaum etwas Üppigeres als Dahlien, und im Blumengeschäft sind sie die Herbstblume für alle, die keine Chrysanthemen wollen. Hier erfahren Sie, woher die Pflanze kommt, wie sich die Blütenformen unterscheiden, warum ein Dahlienstrauss anders behandelt werden will als ein Rosenstrauss und wie die Knollen den Winter überstehen.
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Blumen jetzt bestellenVon Mexiko nach Madrid
Dahlien wachsen wild in den Hochlagen Mexikos und Guatemalas. Die Azteken kannten die Pflanze als acocotli und bauten sie wegen der stärkehaltigen Knollen an, die man essen kann; die hohlen Stängel einer Baumdahlie dienten als Wasserleitung. 1791 schickte der Botanische Garten von Mexiko-Stadt Samen nach Madrid, wo Antonio José Cavanilles die Pflanze noch im selben Jahr zum Blühen brachte und sie nach dem zwei Jahre zuvor verstorbenen schwedischen Botaniker Anders Dahl benannte. Seit 1963 ist die Dahlie die Nationalblume Mexikos. Dass aus einer Handvoll Wildarten Zehntausende Gartensorten entstanden, liegt an ihrem ungewöhnlichen Erbgut: Dahlien sind oktoploid, tragen also acht Chromosomensätze, und spalten bei jeder Aussaat neu auf. Wer eine Sorte erhalten will, teilt die Knolle statt Samen zu säen.
Die Blütenformen
Die britische Royal Horticultural Society, die das internationale Sortenregister führt, unterscheidet vierzehn Blütenformen. Im Blumengeschäft und im Gartencenter begegnen Ihnen vor allem diese:
- Einfachblühende: Ein Kranz Blütenblätter um eine offene gelbe Mitte. Die bienenfreundlichste Gruppe, weil Hummeln und Bienen an den Pollen kommen.
- Halskrausen-Dahlien (Collerette): Wie die einfachen, aber mit einem zweiten, kurzen Kranz in anderer Farbe um die Mitte.
- Seerosen-Dahlien: Flache, locker gefüllte Blüten mit breiten Blättern, die tatsächlich an eine Seerose erinnern. Sehr gefragt in der Hochzeitsfloristik.
- Dekorative: Voll gefüllt, ohne sichtbare Mitte, mit breiten, flachen Blütenblättern. Hierher gehört auch die berühmte „Café au Lait“ in Milchkaffee und Altrosa.
- Ball- und Pompon-Dahlien: Kugelrund und streng geometrisch; Pompons sind die kleinen Kugeln bis etwa fünf Zentimeter, Ball-Dahlien die grösseren.
- Kaktus- und Semikaktus-Dahlien: Spitz zulaufende, nach aussen gerollte Blütenblätter, die der Blüte etwas Stacheliges geben.
Die Blütendurchmesser reichen von rund fünf bis zu dreissig Zentimetern. Die Riesen werden im Handel „Dinnerplate“ genannt; eine einzelne davon füllt eine Vase.
Dahlien im Saisonstrauss: solange die Felder blühen, binden Floristen sie frisch.
Herbststräusse ansehenDahlien in der Vase: anders als Rosen
Der wichtigste Unterschied: Dahlienknospen öffnen sich nach dem Schnitt praktisch nicht mehr. Was Sie bei Rosen richtig machen, nämlich knospige Stiele kaufen, geht bei Dahlien schief. Nehmen Sie Blüten, die offen sind, deren hintere Blütenblätter aber noch fest und frisch wirken; sind diese hinteren Blätter schon weich oder braun, ist die Blüte alt. Dann gilt:
- Stiele frisch anschneiden und sofort in lauwarmes Wasser stellen. Dahlienstiele sind hohl, luftgefüllte Stiele nehmen kein Wasser auf.
- Alle Blätter entfernen, die ins Wasser reichen würden. Dahlienlaub fault schnell und trübt das Wasser innerhalb eines Tages.
- Täglich Wasser wechseln, nicht nur nachfüllen, und die Stiele dabei kurz nachschneiden.
- Kühl und schattig stellen, nicht neben die Obstschale, denn reifendes Obst setzt Ethylen frei und lässt die Blüten schneller altern.
- Mit vier bis sieben Tagen rechnen. Dahlien sind keine Blume für zwei Wochen, dafür wirkt ein frischer Dahlienstrauss wie kaum ein anderer.
Für den Herbstgeburtstag oder eine Hochzeit im September sind Dahlien ideal, für das Grab zu Allerheiligen dagegen nicht: Eine einzige Frostnacht zerstört die Blüten. Schöne Begleiter im Strauss sind Hortensien, Beerenzweige, Gräser und Chrysanthemen. Weitere Grundregeln stehen in unseren Pflegetipps und in der Übersicht Herbstblumen.
Dahlie auf einen Blick
| Eigenschaft | Angabe |
|---|---|
| Botanischer Name | Dahlia, Familie Korbblütler |
| Herkunft | Hochland von Mexiko und Guatemala |
| Blütezeit im Garten | Ende Juli bis zum ersten Frost |
| Vasenleben | 4 bis 7 Tage, nur offene Blüten kaufen |
| Winterhart | Nein, Knollen frostfrei lagern |
Dahlien im Schweizer Garten
Dahlien sind nicht winterhart, deshalb richtet sich im Garten alles nach dem Frost. Die Knollen kommen erst in den Boden, wenn keine Bodenfröste mehr drohen, im Mittelland also ab Mitte Mai, in Bergdörfern eher Anfang Juni. Wer früher blühende Pflanzen will, treibt die Knollen ab April im Topf auf der Fensterbank oder im Gewächshaus vor. Der Platz soll sonnig sein, der Boden locker und nährstoffreich; Staunässe lässt die Knollen faulen.
Drei Handgriffe machen den Unterschied zwischen einer mageren und einer üppigen Pflanze. Erstens: Wenn der Haupttrieb etwa vierzig Zentimeter hoch ist, die Spitze über einem Blattpaar auskneifen, dann verzweigt sich die Pflanze. Zweitens: Hohe Sorten gleich beim Pflanzen an einen Stab binden; ein Dahlienstängel voller Blüten bricht beim ersten Augustgewitter. Drittens: Verblühtes jede Woche abschneiden, bis zum nächsten Blattansatz, dann bildet die Pflanze bis in den Oktober Knospen nach. Die grössten Feinde junger Triebe sind Schnecken, die im Mai ganze Pflanzen über Nacht abfressen, und später Ohrwürmer, die sich in den Blüten verstecken.
Nach dem ersten Frost färbt sich das Laub schwarz. Dann die Stängel auf eine Handbreit kürzen, die Knollen ausgraben, grob säubern und einige Tage trocknen lassen. Gelagert werden sie in Kisten mit Sand, Torfersatz oder Zeitungspapier bei fünf bis zehn Grad, dunkel und trocken, etwa im unbeheizten Keller oder in einer frostfreien Garage. Im Frühling teilen Sie grosse Knollenstöcke mit einem scharfen Messer; jedes Stück braucht ein Stück vom alten Stängelansatz mit einem Auge, sonst treibt es nicht.
Ein Dahlienstrauss zum Herbstgeburtstag oder einfach so: Floristen in der Schweiz binden ihn frisch.
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