Tulpen: von der Saison bis zur Vase, mit einem Abstecher nach Grengiols
Kaum ist der Jahreswechsel vorbei, liegen die ersten Tulpenbunde in den Blumengeschäften, und bis in den Mai hinein holen sie den Frühling in die Stube. Dabei verhält sich keine andere Schnittblume so eigenwillig: Tulpen wachsen in der Vase weiter, drehen sich zum Fenster und mögen weder viel Wasser noch warme Räume. Hier lesen Sie, wie Sie damit umgehen, welche Sortengruppen es gibt und warum ein Walliser Bergdorf eine eigene Tulpenart hat.
Tulpen für jemanden, der gerade Frühling braucht? Wir zeigen Ihnen, wo Sie Blumen in die ganze Schweiz schicken können.
Blumen sendenWann es Tulpen gibt
Die Tulpensaison im Blumengeschäft beginnt deutlich vor dem Frühling. Ab Januar kommen getriebene Tulpen aus dem Gewächshaus, zum Valentinstag sind sie bereits eine echte Alternative zur Rose, und wenn an der Basler Fasnacht die Waggis Mimosen und Rosen von den Wagen verteilen, stehen in den Läden längst auch Papageientulpen. Im April blühen sie im Freiland: Wenn in Zürich am dritten Montag im April der Böögg brennt, haben die Tulpenbeete in Parks und Vorgärten ihren Höhepunkt. Zum Muttertag am zweiten Sonntag im Mai wird das Angebot dünner, im Juni ist die Saison vorbei. Kaufen Sie Tulpen geschlossen: Sie öffnen sich in der Vase innerhalb von ein bis zwei Tagen und halten dann länger als ein Bund, der im Laden schon in voller Blüte stand.
Warum die Tulpe in der Vase ein Eigenleben führt
Wer zum ersten Mal einen Tulpenstrauss hat, wundert sich am zweiten Morgen: Die Stiele sind länger geworden, der Strauss neigt sich zum Fenster, einzelne Blüten hängen über den Rand. Der Tulpenstiel wächst nach dem Schnitt noch einige Zentimeter weiter und richtet sich dabei nach dem Licht; was wie Welken aussieht, ist meist nur Wachstum in die falsche Richtung. Daraus ergeben sich drei Regeln, die bei Tulpen anders lauten als bei den meisten anderen Blumen:
- Wenig Wasser, aber täglich frisch. Tulpenstiele werden im tiefen Wasser weich und beginnen zu faulen. Eine Handbreit kaltes Wasser genügt; dafür wird sie jeden Tag erneuert.
- Kühl stellen. In einem warmen Raum ist eine Tulpe nach drei Tagen am Ende, in einem kühlen Zimmer oder über Nacht im Treppenhaus hält sie eine Woche und mehr.
- Halt geben. Eine hohe Vase, die den Stiel bis zur Hälfte stützt, hält den Strauss zusammen. Krumme Stiele werden wieder gerade, wenn Sie den Strauss fest in Zeitungspapier wickeln und so ein bis zwei Stunden in kaltes Wasser stellen.
Und noch etwas: Frisch angeschnittene Narzissen geben einen Schleim ab, der die Leitungsbahnen der Tulpen verklebt. Lassen Sie sie erst einige Stunden allein stehen, bevor beide in eine Vase kommen.
Pflege Schritt für Schritt
- Papier entfernen, die unteren Blätter abstreifen, sodass keines ins Wasser reicht.
- Stiele mit einem scharfen Messer um zwei bis drei Zentimeter kürzen. Ob gerade oder schräg, spielt bei Tulpen eine kleinere Rolle als ein sauberer, frischer Schnitt.
- Saubere Vase, wenig kaltes Wasser. Frischhaltemittel dürfen Sie zugeben, es ist bei Tulpen aber weniger wichtig als der tägliche Wasserwechsel.
- Standort ohne direkte Sonne, nicht neben Heizkörper, Cheminée oder Obstschale. Reifende Äpfel und Bananen geben Ethylen ab, das Blüten schneller altern lässt.
- Jeden Tag Wasser wechseln, alle zwei Tage frisch anschneiden, Vase ab und zu drehen.
Kupfermünze im Wasser oder ein Nadelstich in den Stiel sind verbreitete Hausmittel ohne belegten Nutzen; kaltes Wasser und ein kühler Platz wirken zuverlässig. Allgemeine Regeln für alle Schnittblumen finden Sie in unseren Pflegetipps, einen Vergleich der Haltbarkeit im Ratgeber Welche Schnittblumen halten am längsten.
Ein Tulpenstrauss zum Geburtstag, zur Genesung oder einfach so, geliefert in der ganzen Schweiz.
Sträusse ansehenSortengruppen, denen Sie im Laden begegnen
Die Gartentulpen werden in fünfzehn Gruppen eingeteilt, nach Blütezeit und Blütenform. Für den Strauss sind vor allem diese wichtig:
- Triumph-Tulpen: Die grosse Mehrheit der Schnitttulpen. Kräftiger Stiel, einfache Becherblüte, in jeder Farbe von Weiss bis fast Schwarz.
- Darwin-Hybriden: Besonders grosse Blüten auf langen Stielen. Im Garten die verlässlichsten Wiederkehrer.
- Lilienblütige Tulpen: Schlank, mit nach aussen gebogenen Spitzen, im Strauss leicht und elegant.
- Papageientulpen: Gewellte, zerschlitzte Blütenblätter, oft zweifarbig. Sie öffnen sich sehr weit.
- Gefüllte Tulpen: Viele Blütenblätter übereinander, die späten Sorten heissen deshalb Pfingstrosentulpen. Schwere Köpfe, die eine stützende Vase brauchen.
- Viridiflora-Tulpen: Jede Blüte trägt einen grünen Streifen. Sie gelten als besonders haltbar in der Vase.
Tulpengruppen im Vergleich
| Gruppe | Blüte im Garten | Als Schnittblume |
|---|---|---|
| Triumph | Mitte bis Ende April | Standard, zuverlässig |
| Darwin-Hybride | Ende April | grosse Blüte, lange Stiele |
| Lilienblütig | Anfang Mai | elegant, mittlere Haltbarkeit |
| Papagei | Mai | auffällig, öffnet sich weit |
| Gefüllt spät | Mai | schwer, braucht Stütze |
| Viridiflora | Mai | gilt als sehr haltbar |
Tulpenorte der Schweiz
Die Schweiz ist kein Tulpenland wie die Niederlande, hat aber eine Besonderheit, die es sonst nirgends gibt: In Grengiols im Oberwallis wächst die Grengjer Tulpe (Tulipa grengiolensis). Der Botaniker Eduard Thommen entdeckte sie im Mai 1945 in den kleinen Roggenäckern oberhalb des Dorfs auf rund 990 Metern. Sie stammt vermutlich von verwilderten Gartentulpen ab und blüht im Mai in Rot, Gelb und Orange mit rotem Rand; damit sie nicht verschwindet, werden die Äcker eigens weiter mit Winterroggen bestellt. Wer sie pflückt, schadet einer Pflanze, deren gesamter Bestand in ein Dorf passt.
Dazu kommt die wilde Weinberg-Tulpe (Tulipa sylvestris), gelb und duftend, einst in Rebbergen vom Jura bis ins Mittelland verbreitet. Heute gilt sie national als verletzlich und ist in mehreren Kantonen vollständig geschützt, darunter Aargau, Basel-Landschaft, Jura, Neuenburg und Waadt. Im Garten dürfen Sie sie pflanzen, die Zwiebeln gibt es im Fachhandel. Und wer Tulpen in Massen sehen will, fährt nach Morges am Genfersee, wo der Parc de l’Indépendance jedes Frühjahr für einige Wochen zum Tulpenfeld mit über hunderttausend Blumen wird.
Tulpen im eigenen Garten
Tulpenzwiebeln kommen im Herbst in die Erde, sobald der Boden kühl ist, meist zwischen Ende September und November. Sie brauchen den Winter, um Blüten anzulegen; eine im Frühling gesetzte Zwiebel blüht nicht. Pflanztiefe: das Doppelte bis Dreifache der Zwiebelhöhe, in durchlässigen Boden, denn in nasser Erde faulen die Zwiebeln, und wo Wühlmäuse häufig sind, in einen Drahtkorb. Nach der Blüte nur den Kopf abschneiden und das Laub vergilben lassen, damit die Zwiebel Kraft für das nächste Jahr sammelt. Viele Sorten blühen im zweiten Jahr trotzdem schwächer; Darwin-Hybriden und Wildtulpen halten sich über Jahre.
Vom Bosporus nach Wien, Leiden und in den Rest Europas
Die Heimat der Tulpen liegt in den Steppen und Gebirgen Mittelasiens, ihre erste grosse Zeit als Gartenpflanze erlebte sie im Osmanischen Reich. Mitte des 16. Jahrhunderts beschrieb der kaiserliche Gesandte Ogier Ghislain de Busbecq sie in seinen Briefen aus der Türkei und brachte vermutlich die ersten Samen und Zwiebeln nach Westen; der Name Tulipan geht wohl auf eine Verwechslung mit dem Turban zurück. Der Botaniker Carolus Clusius zog Tulpen zuerst in Wien und ab 1593 in Leiden und tauschte Zwiebeln mit Gärtnern in ganz Europa. In den Niederlanden wurden für seltene geflammte Sorten in den 1630er-Jahren absurde Summen bezahlt, bis der Markt Anfang Februar 1637 innerhalb weniger Tage zusammenbrach. Die begehrten Flammenmuster stammten übrigens von einem Virus.
Was eine Tulpe sagt
Die Tulpe ist weniger streng kodiert als die Rose: Rot gilt als Liebeserklärung, Gelb und Orange stehen für Fröhlichkeit, Rosa für Zuneigung, Weiss für einen Neuanfang oder ein stilles Gedenken, und ein bunter Bund sagt einfach: Der Frühling ist da. Mehr dazu in unserem Ratgeber zur Blumensprache.
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