Narzissen: Sorten, der Vasentrick und die wilden Wiesen über Montreux

Wenn im März die ersten Narzissenbünde in den Läden stehen, ist der Winter offiziell vorbei. Die Blume ist unkompliziert, aber sie hat eine Eigenheit, die jeden gemischten Frühlingsstrauss ruinieren kann, und sie wächst in der Schweiz an einigen Orten wild in einer Pracht, die man gesehen haben muss. Beides erklären wir hier, dazu Sorten, Pflanzung und die Frage nach der Giftigkeit.

Gelbe Trompetennarzisse, die klassische Osterglocke
Osterglocke
Weisse Narzisse mit orangefarbener Nebenkrone
Weiss mit Orange
Narzisse mit rosafarbener Nebenkrone
Rosa Nebenkrone
Narzissen im Beet im Frühling
Im Garten

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Osterglocke, Narzisse, Dichternarzisse: wer ist wer

Im Alltag werden die Namen durcheinandergebracht, dabei ist es einfach. Narcissus ist die Gattung, und alle Osterglocken sind Narzissen. Die Osterglocke im engeren Sinn ist die gelbe Trompetennarzisse Narcissus pseudonarcissus, die auch in der Schweiz wild vorkommt und in mehreren Kantonen geschützt ist. Die Dichternarzisse Narcissus poeticus ist weiss mit einer kleinen gelben, rot gesäumten Nebenkrone und duftet stark. Der Name der Gattung geht auf die griechische Sage von Narziss zurück, der sich in sein Spiegelbild verliebte; in Wales ist die gelbe Narzisse Nationalblume und wird am St. David’s Day Anfang März am Revers getragen.

Sorten für Vase und Garten

Die Gärtner teilen Narzissen in dreizehn Klassen ein, hauptsächlich nach Form und Länge der Nebenkrone, also der „Trompete“ in der Mitte. Für Sie als Käuferin oder Käufer reichen fünf Gruppen:

  • Trompetennarzissen: Die Nebenkrone ist mindestens so lang wie die Blütenblätter. Die klassische gelbe Osterglocke, gross und standfest, auch als Schnittblume.
  • Grosskronige Narzissen: Eine Blüte pro Stiel mit kürzerer, oft andersfarbiger Krone, zum Beispiel weiss mit Orange oder mit Lachsrosa. Die grösste Gruppe im Handel.
  • Gefüllte Narzissen: Mehrere Lagen Blütenblätter, oft duftend. „Bridal Crown“ ist die bekannte weiss-cremefarbene Sorte für Frühlingssträusse.
  • Tazetten: Mehrere kleine Blüten an einem Stiel und ein intensiver Duft, der nicht jedem gefällt. Dazu zählen die Sorten, die im Winter im Topf getrieben werden.
  • Cyclamineus-Narzissen: Zurückgeschlagene Blütenblätter wie bei einem Alpenveilchen. Die kleine „Tête-à-Tête“ aus dem Topf gehört hierher, ideal für Balkonkisten und Fensterbank.

Die wilden Narzissen der Riviera vaudoise

Oberhalb von Montreux und Vevey, auf den Hängen um Les Avants, Les Pléiades und Caux, blühen im Mai ganze Wiesen voller weisser Stern-Narzissen Narcissus radiiflorus, einer nahen Verwandten der Dichternarzisse. Die Hänge sehen von unten aus, als läge Schnee, darum sprechen die Einheimischen von „neige de mai“. Von 1897 bis 1957 feierte Montreux jedes Jahr ein Narzissenfest mit Umzügen und Blumenwagen, das zu den grossen Anlässen der Belle Époque am Genfersee gehörte und sogar in der ersten Eurovisionssendung 1954 zu sehen war. Heute führen markierte Narzissenwege durch die Wiesen, etwa ab Les Avants. Die Bestände sind geschützt, pflücken ist nicht erlaubt, und das gilt auch für die gelben Osterglocken in den Juraweiden und in den Voralpen. Wer wissen will, welche Pflanzen in seinem Kanton geschützt sind, findet die Angaben bei Info Flora, dem nationalen Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora.

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Der Vasentrick: Narzissen zuerst allein

Jetzt zu der Eigenheit, die Sie kennen müssen. Beim Anschneiden tritt aus dem Narzissenstiel ein klarer Schleim aus, der Alkaloide und Kalziumoxalat-Kristalle enthält. Gelangt er ins Vasenwasser, verstopft er die Leitungsbahnen der anderen Blumen, und besonders Tulpen hängen dann nach einem Tag die Köpfe. Floristinnen kennen den Effekt auch von ihren Händen: Der Saft reizt die Haut, die „Narzissenkrätze“ ist eine bekannte Berufsdermatose. So umgehen Sie das Problem:

  1. Narzissen nach dem Kauf oder Schnitt anschneiden und für zwölf bis vierundzwanzig Stunden allein in eine eigene Vase stellen.
  2. Danach direkt in den gemischten Strauss setzen, ohne die Stiele erneut zu kürzen. Jeder Schnitt startet den Schleimfluss von neuem.
  3. Wer sicher gehen will, bindet Narzissen als reinen Strauss. Zwanzig Osterglocken in einem Glaskrug brauchen keine Begleitung.

Für die Haltbarkeit gilt: Kaufen Sie Stiele, bei denen die Knospen schon Farbe zeigen, aber noch geschlossen sind („Gänsehals-Stadium“ sagen die Gärtner, weil die Knospe noch gebogen am Stiel hängt). Stellen Sie die Vase kühl und wechseln Sie das Wasser täglich, dann hält der Strauss fünf bis sieben Tage. Warme Stuben verkürzen die Freude auf drei Tage. Allgemeine Regeln für alle Schnittblumen finden Sie in unseren Pflegetipps.

Narzisse auf einen Blick

EigenschaftAngabe
Botanischer NameNarcissus, Familie Amaryllisgewächse
Saison als SchnittblumeFebruar bis April
Vasenleben5 bis 7 Tage, kühl länger
Mischen mit anderen BlumenErst nach 12 bis 24 Stunden allein im Wasser
Pflanzzeit der ZwiebelnSeptember bis November

Narzissen im Garten und auf dem Balkon

Narzissenzwiebeln kommen im Herbst in den Boden, von September bis November, etwa doppelt so tief, wie die Zwiebel hoch ist. Sie mögen durchlässige Erde und vertragen Halbschatten, weshalb sie unter Obstbäumen und in Wiesen so gut gedeihen. Anders als Tulpen werden sie von Wühlmäusen gemieden, weil die Zwiebel giftig ist, und sie vermehren sich über die Jahre von selbst. Die einzige Regel, die viele brechen: Das Laub nach der Blüte stehen lassen, bis es gelb und schlaff ist, meist bis Anfang Juni. Wer die Wiese früher mäht, bekommt im nächsten Jahr nur Blätter. Im Balkonkistchen funktionieren die kleinen Sorten wie „Tête-à-Tête“ am besten; die Kistchen im Winter an die Hauswand rücken, damit die Erde nicht durchfriert.

Narzissen gehören zu den Blumen mit eindeutig positiver Bedeutung: Frühling, Neuanfang, Zuversicht. Darum passen sie zu Genesungswünschen, zum Frühlingsgeburtstag und zu Ostern, wenn sie als Osterglocken ohnehin ihren grossen Auftritt haben. Was andere Frühlingsblumen ausdrücken, lesen Sie in der Blumensprache; wie Sie einen Strauss verschicken, in Blumen senden.

⚠️ Giftig für Menschen und Tiere: Alle Teile der Narzisse enthalten Lycorin und andere Alkaloide, die Zwiebel am meisten. Verschluckte Pflanzenteile führen zu Erbrechen, Durchfall und Bauchkrämpfen, grosse Mengen zu Kreislaufstörungen. Gefährlich wird es, wenn Zwiebeln neben Speisezwiebeln in der Küche liegen oder ein Hund die frisch gesetzten Zwiebeln ausgräbt; auch Katzen, die am Vasenwasser trinken, können erkranken. Bei Verdacht auf eine Vergiftung erreichen Sie Tox Info Suisse unter 145, Tag und Nacht. Für Tiere gilt: sofort zur Tierärztin. Mehr dazu in unserem Ratgeber Blumen und Haustiere.

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Häufige Fragen zu Narzissen

Darf ich Narzissen mit Tulpen in eine Vase stellen?
Ja, allerdings nicht sofort. Frisch geschnittene Narzissen geben einen Schleim ab, der die Leitungsbahnen anderer Blumen verstopft; Tulpen reagieren besonders empfindlich. Stellen Sie die Narzissen zwölf bis vierundzwanzig Stunden allein in Wasser, dann in die gemischte Vase, ohne die Stiele erneut anzuschneiden, denn mit jedem frischen Schnitt beginnt der Schleimfluss von vorn.
Wo blühen in der Schweiz wilde Narzissen?
Am bekanntesten sind die Wiesen oberhalb von Montreux und Vevey, etwa um Les Avants und Les Pléiades, wo die weisse Stern-Narzisse im Mai ganze Hänge weiss färbt. Die Einheimischen sprechen von „neige de mai“, Maischnee. Die Bestände sind kantonal geschützt, pflücken ist nicht erlaubt; gewandert werden darf auf markierten Narzissenwegen.
Sind Narzissen giftig?
Ja, alle Teile, am stärksten die Zwiebel. Sie enthält Lycorin und weitere Alkaloide, die Erbrechen, Durchfall und Bauchkrämpfe auslösen; auch das Vasenwasser ist nicht harmlos. Hat ein Kind oder ein Tier etwas verschluckt, hilft in der Schweiz Tox Info Suisse unter der Nummer 145 rund um die Uhr. Verwechslungen passieren vor allem in der Küche, wenn Zwiebeln neben Speisezwiebeln lagern.
Wie lange halten Narzissen in der Vase?
Rechnen Sie mit fünf bis sieben Tagen. Am längsten halten sie, wenn Sie Stiele mit noch geschlossenen, aber schon gefärbten Knospen kaufen, die Vase kühl stellen und das Wasser täglich wechseln. Über Nacht auf den kühlen Balkon oder ins Treppenhaus zu stellen, verlängert die Blüte spürbar.
Wann und wie tief pflanze ich Narzissenzwiebeln?
Von September bis November, solange der Boden offen ist. Die Zwiebel kommt etwa doppelt so tief in die Erde, wie sie hoch ist, bei grossen Sorten also rund fünfzehn Zentimeter. Wichtig im Folgejahr: Das Laub nach der Blüte nicht abschneiden und nicht abmähen, bis es gelb ist, sonst fehlt der Zwiebel die Kraft für das nächste Frühjahr.

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