Hyazinthen: der Duft des Vorfrühlings im Topf, im Glas, in der Vase und im Garten

Wenn draussen noch Schnee liegt, duftet in vielen Schweizer Stuben schon die erste Hyazinthe (Hyacinthus orientalis). Die dicht gepackte Blütentraube in Blau, Violett, Rosa oder Weiss ist für viele der eigentliche Start ins Gartenjahr. Wir zeigen, wie Sie die Topfpflanze länger frisch halten, wie das Antreiben im Hyazinthenglas gelingt, was die Hyazinthe als Schnittblume braucht und wie die Zwiebel danach im Garten weiterlebt.

Blauviolette Hyazinthe mit dicht besetzter Blütentraube
Blauviolett - der Klassiker
Kräftig pinkrote Hyazinthenblüten in Nahaufnahme
Pinkrot - der Farbtupfer im Winter
Weisse Hyazinthe im Topf als Tischschmuck
Weiss - zu Advent und Ostern
Zartrosa Hyazinthe im Freien
Zartrosa - im Garten ab April

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Vier Arten, eine Hyazinthe zu halten

Zwei Dinge gelten für jede Hyazinthe: Die Zwiebel braucht eine kühle Ruhezeit, bevor sie blüht, und sie verträgt keine nassen Füsse. Der Rest hängt davon ab, in welcher Form sie zu Ihnen kommt:

Hyazinthe im Vergleich

FormWannWorauf es ankommt
TopfhyazintheAdvent bis Märzkühl stellen, nicht auf die Zwiebel giessen
HyazinthenglasStart Oktober bis Novemberacht bis zehn Wochen dunkel und kalt
SchnittblumeJanuar bis Aprilmit dem Messer schneiden, zuerst allein wässern
GartenpflanzeBlüte April, Pflanzung Herbstdurchlässige Erde, sonniger Platz

Topfhyazinthen: je kühler, desto länger

Die Hyazinthe aus dem Gartencenter oder vom Wochenmarkt ist in der Gärtnerei vorgekühlt und angetrieben worden, damit sie mitten im Winter blüht. Wie lange sie das tut, bestimmen Sie mit dem Standort. Auf dem Fensterbrett über dem Heizkörper ist nach einer Woche alles vorbei, der Stiel schiesst in die Höhe und kippt unter dem Gewicht der Blüten um. In einem kühlen, hellen Zimmer, im Treppenhaus oder im unbeheizten Wintergarten blüht dieselbe Pflanze drei Wochen. Dort stört auch der kräftige Duft nicht, den viele neben dem Bett oder auf dem Esstisch als aufdringlich empfinden.

  • Kaufen Sie Töpfe, deren Trauben schon Farbe zeigen, deren Einzelblüten aber noch geschlossen sind. Dann haben Sie die ganze Blüte vor sich.
  • Giessen Sie an den Topfrand oder in den Untersetzer, nie in die Blattrosette oder auf die Zwiebel. Wasser, das nach einer Viertelstunde noch im Untersetzer steht, schütten Sie weg.
  • Drehen Sie den Topf alle paar Tage, sonst wächst der Blütenstand schief zum Fenster.
  • Kippt die Traube trotzdem, stecken Sie einen dünnen Holzstab neben die Zwiebel und binden Sie den Stiel locker an. Mehrere Zwiebeln dicht in einer Schale stützen sich gegenseitig.

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Hyazinthen im Glas antreiben

Das Hyazinthenglas mit seiner Einschnürung, auf der die Zwiebel sitzt, ohne das Wasser zu berühren, gehört in vielen Familien zum Winter wie die Adventskerze. Man sieht den Wurzeln beim Wachsen zu, und Kinder lernen, wie viel Geduld eine Blüte braucht. So klappt es:

  1. Zwiebel kaufen: Ab Herbst gibt es feste, grosse Zwiebeln, manche ausdrücklich als vorbehandelt zum Treiben gekennzeichnet. Diese blühen früher und zuverlässiger im Glas. Weiche Stellen oder Schimmel am Zwiebelboden sind ein Ausschlussgrund.
  2. Glas füllen: So viel Wasser, dass zwischen Wasserspiegel und Zwiebelboden ein Spalt von einem halben Zentimeter bleibt. Sitzt die Zwiebel im Wasser, fault sie; die Wurzeln wachsen dem Wasser von selbst entgegen. Ein Stück Holzkohle im Glas hält das Wasser länger klar.
  3. Kalt und dunkel: Nun braucht die Zwiebel acht bis zehn Wochen bei Temperaturen unter etwa 9 Grad und ohne Licht, zum Beispiel im Keller, im Gartenhaus oder im kühlsten Fach des Kühlschranks, wenn kein Obst darin liegt. Fehlt ein dunkler Ort, stülpen Sie einen Blumentopf oder eine Papiertüte über das Glas.
  4. Wasser nachfüllen: Kontrollieren Sie alle zwei Wochen den Wasserstand, sobald die Wurzeln ins Wasser reichen. Verbrauchtes Wasser ersetzen Sie, ohne die Zwiebel zu benetzen.
  5. Stufenweise ans Licht: Erst wenn das Glas voller Wurzeln ist und der Trieb fünf bis acht Zentimeter misst, kommt die Hyazinthe für einige Tage an einen hellen, kühlen Platz und erst dann in die warme Stube. Wer sie direkt neben die Heizung stellt, bekommt eine kurze, blasse Blüte.

Wer Mitte Oktober beginnt, blüht etwa um Weihnachten oder im Januar. Zwiebeln, die im Glas geblüht haben, sind erschöpft. Sie können sie im Frühling in den Garten setzen, eine Blüte im nächsten Jahr ist aber nicht sicher.

Hyazinthen als Schnittblume

Mit ihrem fleischigen Stiel und dem schweren Kopf verlangt die Hyazinthe in der Vase etwas Aufmerksamkeit. Schneiden Sie den Stiel mit einem scharfen Messer gerade ab, eine Schere quetscht ihn. Bei Gartenhyazinthen setzen Sie das Messer tief an, direkt über der Zwiebel, dann bleibt möglichst viel Stiel. Wie Narzissen gibt die Hyazinthe nach dem Schnitt Schleim ins Wasser ab, der anderen Blumen die Leitungsbahnen verstopft. Stellen Sie Hyazinthen deshalb zuerst einige Stunden allein ins Wasser und schneiden Sie sie danach nicht noch einmal an, sonst beginnt das Schleimen von vorn. Erst dann dürfen sie zu Tulpen, Ranunkeln oder Zweigen in den gemischten Strauss. Eine schmale, standfeste Vase gibt den Köpfen Halt, kühl gestellt halten Schnitthyazinthen gut eine Woche. Wie Sie Narzissen auf dieselbe Weise vorbereiten, lesen Sie im eigenen Ratgeber.

Im Garten: ab in die Erde statt in den Kompost

Eine verblühte Topfhyazinthe ist nicht am Ende. Entfernen Sie nur den verwelkten Blütenstand und lassen Sie die Blätter weiterwachsen, bis sie von selbst gelb werden; in dieser Zeit füllt die Zwiebel ihre Vorräte. Danach setzen Sie sie etwa 15 Zentimeter tief in lockere, durchlässige Erde an einen sonnigen Platz, oder Sie lagern sie trocken und luftig bis zum Herbst. Im Freien blüht die Hyazinthe im April, in höheren Lagen etwas später, und in den Folgejahren werden die Trauben lockerer und kleiner als beim Kauf. Viele finden gerade diese natürlichere Form hübscher als den prallen Kolben aus der Gärtnerei. Staunässe ist der einzige echte Feind: Auf schwerem Lehmboden mischen Sie eine Handvoll Sand unter.

Woher sie kommt und was sie bedeutet

Die Wildform wächst zwischen der Südtürkei und dem Norden Israels, mit lockeren, kleinen Glöckchen, die mit der heutigen Gartenform nur den Duft gemeinsam haben. In Mitteleuropa ist die Hyazinthe seit ungefähr 1560 in Kultur. Die dicht besetzten Blütentrauben sind das Werk niederländischer Züchter, die im 18. Jahrhundert hunderte Sorten hervorbrachten und zeitweise für seltene Zwiebeln Preise wie für Tulpen verlangten. Der Name geht auf die griechische Sage von Hyakinthos zurück, aus dessen Blut Apollon eine Blume wachsen liess. Deshalb stand die Hyazinthe früher für Trauer, heute ist sie vor allem ein Zeichen für Neubeginn; was einzelne Farben ausdrücken, steht in der Blumensprache. Nicht verwechseln: Die kleinen blauen Traubenhyazinthen (Muscari), die im April unter Sträuchern auftauchen, sind eine eigene Gattung.

⚠️ Zwiebel, Saft und Haustiere: Hyazinthen gelten für Katzen, Hunde und Pferde als giftig, die Zwiebel am stärksten. Nach dem Fressen kommt es zu heftigem Erbrechen und Durchfall, gelegentlich zu Zittern. Für Menschen ist die Pflanze schwach giftig; vor allem die Zwiebelschalen reizen mit feinen Calciumoxalat-Kristallen die Haut, weshalb beim Putzen und Pflanzen Handschuhe sinnvoll sind. Hat ein Kind an Zwiebel oder Blüte gekaut, erreichen Sie Tox Info Suisse rund um die Uhr unter 145. Bei Tieren rufen Sie die Tierarztpraxis an. Welche Pflanzen sonst noch gefährlich sind, zeigt der Ratgeber Giftige Blumen für Haustiere.

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Bilder und Eckdaten zu den einzelnen Farben finden Sie im Blumenlexikon bei der klassischen Hyazinthe und der weissen Hyazinthe. Für jeden Strauss nützlich sind ausserdem unsere Pflegetipps.

Häufig gestellte Fragen zu Hyazinthen

Warum bleibt die Blüte meiner Hyazinthe im Glas zwischen den Blättern stecken?
Die Zwiebel kam zu früh ins Warme. Ohne genügend lange, kühle und dunkle Wurzelphase treibt sie zwar Blätter, der Blütenstand bleibt aber kurz und öffnet sich kümmerlich. Stellen Sie das Glas zurück an einen kühlen Ort und holen Sie es erst wieder hervor, wenn der Trieb deutlich länger geworden ist. Beim nächsten Versuch rechnen Sie mit acht bis zehn Wochen Kälte.
Sind Hyazinthen giftig für Katzen und Hunde?
Ja. Hyazinthen gelten für Katzen, Hunde und Pferde als giftig, am stärksten die Zwiebel. Nach dem Fressen kommt es zu heftigem Erbrechen und Durchfall, manchmal auch zu Zittern. Stellen Sie Töpfe und Gläser ausser Reichweite, lagern Sie Zwiebeln verschlossen und rufen Sie bei Verdacht die Tierarztpraxis an.
Kann ich eine verblühte Topfhyazinthe in den Garten setzen?
Ja. Schneiden Sie nur den verwelkten Blütenstand ab, lassen Sie das Laub gelb werden und pflanzen Sie die Zwiebel danach oder im Herbst etwa 15 Zentimeter tief in durchlässige Erde an einen sonnigen Platz. In den Folgejahren blüht sie lockerer und kleiner als beim Kauf, dafür oft viele Jahre lang.
Warum jucken meine Hände nach dem Umtopfen von Hyazinthen?
Die Zwiebelschalen enthalten feine Kristalle aus Calciumoxalat, die bei empfindlicher Haut Juckreiz und Rötungen auslösen. Gärtnereien kennen das als Hyazinthenkrätze. Waschen Sie die Hände gründlich und tragen Sie beim nächsten Mal Handschuhe. Bei Beschwerden nach dem Verschlucken von Pflanzenteilen berät Tox Info Suisse unter der Notrufnummer 145.

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