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1. November 2027
Allerheiligen in der Schweiz: Grabschmuck zwischen Feiertag und Ewigkeitssonntag
Ob der 1. November bei Ihnen ein freier Tag ist, hängt vom Kanton ab, und ob Ihre Familie zu Allerheiligen oder erst am Ewigkeitssonntag ans Grab geht, von der Konfession. Dieser Ratgeber erklärt beides und zeigt, welche Pflanzen Frost und Nebel überstehen, was die Friedhofreglemente der Gemeinden erlauben und wie Sie Angehörigen in diesen Tagen Blumen zukommen lassen.
Zuletzt aktualisiert:Von: BlumenFix.ch RedaktionLesezeit: ca. 8 Min.
Katholische und reformierte Schweiz: zwei Gedenktage
Allerheiligen: 1. November 2027. Ewigkeitssonntag: 22. November 2026.
Allerheiligen ist in Luzern, Uri, Schwyz, Obwalden, Nidwalden, Glarus, Zug, St. Gallen, Tessin, Wallis, Appenzell Innerrhoden und im Jura ein gesetzlich anerkannter Feiertag, in Freiburg, Solothurn, Graubünden und im Aargau nur in einem Teil der Gemeinden. Der Ewigkeitssonntag ist immer der letzte Sonntag vor dem ersten Advent und nirgends arbeitsfrei.
Die Schweiz hat keine einheitliche Antwort auf die Frage, wann man im Herbst die Gräber schmückt. In der Innerschweiz, im Wallis, im Tessin und im Jura ist der 1. November ein Feiertag, die Läden sind geschlossen, und die Familien treffen sich auf dem Friedhof. Am Nachmittag zieht der Pfarrer oder ein Seelsorgeteam mit der Gemeinde über die Gräberreihen und segnet die Gräber; die Grablichter brennen dann bis in die Nacht. In der Romandie heisst der Tag Toussaint, im Tessin Ognissanti, und in beiden Landesteilen gehört die Topf-Chrysantheme so selbstverständlich dazu wie in Frankreich und Italien. Genau genommen wäre Allerseelen am 2. November der Tag der Verstorbenen, doch der freie 1. November hat den Friedhofsbesuch an sich gezogen.
In den reformierten Landesteilen, also in Zürich, Bern, Basel, in der Waadt oder in Appenzell Ausserrhoden, ist der 1. November ein Arbeitstag, und viele Familien gehen erst am Ewigkeitssonntag ans Grab. Die reformierte Liturgie nennt ihn den letzten Sonntag des Kirchenjahres; im Gottesdienst wird der Menschen gedacht, die seit dem letzten Ewigkeitssonntag gestorben sind, oft werden ihre Namen verlesen und für jeden eine Kerze angezündet. Weil die Schweiz konfessionell so gemischt ist, kommt es in vielen Familien zu beidem: Die Grosseltern im Entlebuch erwarten einen am 1. November, die Schwiegereltern in Winterthur drei Wochen später. Für den Grabschmuck heisst das: Was Sie Anfang November pflanzen, muss bis Ende Monat gut aussehen.
Pflanzen für Grab und Schale im November
Auf dem Friedhof zählt im Spätherbst weniger die Symbolik als die Frage, was Nebel, Regen und die erste Frostnacht aushält. Diese Pflanzen haben sich bewährt:
Der Klassiker
Garten-Chrysantheme
Im Topf auf das Grab gestellt, blüht sie bei mildem Wetter bis Ende November. Leichter Frost schadet nicht, nach einigen Nächten Dauerfrost werden die Blüten braun. Wählen Sie Pflanzen mit vielen Knospen und wenigen offenen Blüten.
Frostfest
Besenheide statt Glockenheide
Im Gartencenter stehen beide nebeneinander: die winterharte Besenheide (Calluna) und die empfindliche Glockenheide (Erica gracilis), die bei Frost schwarz wird. Für draussen immer Calluna nehmen, am besten Knospenblüher, die bis Januar Farbe halten.
Schnittblume
Weisse Rosen
In der Grabvase oder ins Gesteck gesteckt. Die Kälte verlangsamt das Altern, darum halten Rosen draussen im November oft länger als in der warmen Stube. Verblühte Stiele nach ein, zwei Wochen herausziehen, das Grün bleibt.
Abdeckung
Tannen- und Föhrenzweige
Zweige von Weisstanne, Föhre oder Thuja decken die Grabfläche ab und schützen Dauerpflanzen vor Kahlfrost. Erst Ende November auflegen, sonst sind sie bis Weihnachten dürr. Im März wieder entfernen.
Nur drinnen
Alpenveilchen
Das Zimmer-Alpenveilchen aus dem Blumengeschäft stammt vom Mittelmeer und ist trotz seines Namens nicht winterhart. Auf dem Grab erfriert es in der ersten kalten Nacht; auf einer kühlen Fensterbank blüht es dagegen bis Februar.
Für Angehörige
Herbststrauss
Chrysanthemen, Hagebutten, Hortensien und Gräser in Bordeaux und Creme: ein Strauss, der Trauernden in diesen Tagen nach Hause gebracht wird, oft mehr bedeutet als jedes Gesteck auf dem Friedhof.
Zu Grabschalen passen ausserdem Silberblatt, Skimmie, Scheinbeere und Purpurglöckchen mit dunkelrotem Laub. Was die Saison sonst hergibt, zeigt der Ratgeber Herbstblumen; Pflegetipps zu Rosen und Nelken finden Sie in den jeweiligen Ratgebern.
Das Grab herrichten: der Friedhof gehört der Gemeinde
In der Schweiz betreibt fast immer die politische Gemeinde den Friedhof, nicht die Kirche. Jede Gemeinde hat ein Friedhofreglement, das festlegt, wie lange ein Grab besteht, wer es unterhält und was darauf stehen darf. Weil die grosse Mehrheit der Verstorbenen kremiert wird, sind Urnengräber und Gemeinschaftsgräber heute die Regel; das klassische Erdgrab mit grosser Pflanzfläche ist in vielen Gemeinden die Ausnahme geworden. Der Grabschmuck richtet sich nach der Grabart.
Urnengrab oder Urnennische
Die Fläche ist klein, oft weniger als ein Quadratmeter oder nur ein Brett vor der Nische in der Urnenwand. Ein einziges flaches Gesteck, eine kleine Schale mit Besenheide oder ein Grablicht mit einer weissen Rose genügen. Grosse Kränze wirken hier fehl am Platz und stören die Nachbargräber.
Gemeinschaftsgrab
Im Gemeinschaftsgrab ruhen viele Urnen zusammen, meist unter einer Rasenfläche oder einem Gedenkstein mit Namen. Eigene Grabflächen gibt es nicht, dafür eine gemeinsame Ablagestelle. Erlaubt sind dort in der Regel Schnittblumen ohne Gefäss und Grablichter; Töpfe, Schalen und Gestecke räumt der Friedhofdienst ab. Lesen Sie die Tafel am Grab oder das Reglement, bevor Sie etwas kaufen.
Zweige als ruhige Fläche, ein niedriges Gesteck, ein Licht: so bleibt die Inschrift lesbar und das Grab bis zum Ewigkeitssonntag gepflegt.
Erdgrab mit Pflanzfläche
Hier läuft der Herbst in drei Schritten ab. Ende Oktober kommen die erfrorenen Sommerblumen weg, die Erde wird gelockert, Besenheide, Silberblatt und eine kleine Konifere kommen hinein. Zu Allerheiligen folgt das Gesteck vor dem Stein und das Grablicht. Ende November, in reformierten Gegenden zum Ewigkeitssonntag, wird die Fläche mit Tannenzweigen abgedeckt und die Chrysantheme ersetzt, falls sie erfroren ist. Wer nur einmal fahren kann, legt alles auf das Wochenende vor dem Ewigkeitssonntag.
Grabunterhalt aus der Ferne
Viele Grabstellen liegen heute hundert Kilometer vom Wohnort der Kinder entfernt. Blumenversand hilft da nicht, denn geliefert wird an Hausadressen, nicht an Grab 214 in der Reihe C. Die Lösung ist ein Gartenbaubetrieb oder eine Friedhofsgärtnerei am Ort, die Herbstbepflanzung, Gesteck und Winterabdeckung als Saisonauftrag übernimmt; in manchen Gemeinden macht das der Friedhofdienst selbst gegen Gebühr. Die Friedhofverwaltung sagt Ihnen, wer dort arbeiten darf.
Praxistipp
Nehmen Sie eine kleine Schere, Handschuhe, einen Sack für den Abraum und Streichhölzer mit. Die Giesskannen am Friedhofbrunnen sind am 1. November knapp, eine Flasche Wasser für die Grabvase lohnt sich.
Blumen für die Menschen, nicht nur fürs Grab
Floristen aus der Region binden Herbststräusse und Gestecke und bringen sie an eine Hausadresse in der Schweiz. Zum Grab tragen Sie oder die Angehörigen das Gesteck dann selbst.
Frost kommt in der Schweiz nicht überall gleichzeitig
Zwischen Basel und Andermatt liegen im November leicht zehn Grad. Im Tessin und in der Genferseeregion blühen Chrysanthemen bis in den Dezember, im Mittelland hält sich der Nebel wochenlang und die erste Frostnacht kommt meist Anfang November, in den Voralpen und in den Bergtälern liegt bis dahin oft schon Schnee. Richten Sie den Grabschmuck nach dem Ort des Friedhofs, nicht nach Ihrem Wohnort.
Raureif am Morgen macht der Garten-Chrysantheme nichts aus, eine Woche Dauerfrost in einem Bergdorf dagegen schon.
Unter 600 Metern: Chrysanthemen im Topf, Besenheide, Schnittblumen in der Grabvase. Tannenzweige erst Ende November.
600 bis 1000 Meter: Besenheide, Koniferen, Gesteck aus Zweigen und Zapfen. Chrysanthemen nur, wenn Sie sie nach einer Frostwoche austauschen können.
Über 1000 Metern: Gesteck aus Tannen- und Föhrenzweigen, Zapfen, Moos und Trockenblumen, dazu ein Grablicht. Lebende Blüten halten hier im November selten eine Woche.
Überall: Frostfeste Gefässe aus Stein, Metall oder glasierter Keramik. Ein ungebrannter Tontopf saugt sich voll und platzt beim ersten Frost.
Was auf dem Friedhof nicht geht
Kunststoffblumen und glänzende Bänder sind in vielen Reglementen untersagt oder unerwünscht.
Steckschaum und Drahtgestelle gehören nach der Saison in den Kehricht, nicht in den Grünabfall; manche Friedhöfe verbieten sie ganz.
Offene Kerzen und Teelichter ohne Glas: Nur geschlossene Grablichter oder eine Laterne verwenden.
Private Gegenstände wie Fotos, Figuren oder Solarlampen sind je nach Gemeinde erlaubt, eingeschränkt oder verboten. Das Reglement steht meist auf der Website der Gemeinde.
Sechs Fehler, die jedes Jahr passieren
Die meisten lassen sich mit einem Blick ins Gartencenter oder ins Reglement vermeiden:
Die falsche Heide
Glockenheide sieht im Laden gleich aus wie Besenheide und ist nach der ersten Frostnacht schwarz. Auf das Etikett schauen: Calluna.
Schale auf dem Gemeinschaftsgrab
Dort sind nur lose Schnittblumen und Lichter vorgesehen. Die Schale landet im Abraumcontainer.
Zu früh abgedeckt
Tannenzweige von Mitte Oktober nadeln bis zum Ewigkeitssonntag ab. Erst Ende November auflegen.
Name verdeckt
Gesteck und Topf bleiben unter der untersten Zeile der Inschrift.
Topf ohne Frostschutz
Tontöpfe platzen, Plastiktöpfe kippen. Schwere, frostfeste Gefässe wählen oder den Topf in die Erde einsenken.
Blumen fürs Grab bestellt statt für die Menschen
Ein Gesteck lässt sich nicht ans Grab liefern. Der Strauss an die Witwe oder den Witwer nach Hause kommt dagegen an.
Gedenken ohne Grab
Immer mehr Menschen in der Schweiz haben kein Grab, das sie besuchen könnten: nach einer Beisetzung im Gemeinschaftsgrab, nach einer Verstreuung der Asche in den Bergen oder im Wald, oder weil das Grab nach Ablauf der Grabesruhe aufgehoben wurde. Allerheiligen und Ewigkeitssonntag lassen sich auch zu Hause begehen.
Eine Kerze, ein Foto, ein paar Chrysanthemen: ein Ort für die Erinnerung, der keinen Friedhof braucht.
Ein Platz in der Wohnung
Ein Foto, eine Kerze in einem Glas und ein kleiner Strauss auf einem Sideboard oder Fenstersims reichen. Manche legen etwas dazu, das zur Person gehörte: die Lesebrille, ein Taschenmesser, das Rezeptheft. Entscheidend ist ein ruhiger Platz, an dem man im Vorbeigehen kurz stehen bleibt.
Blumen für drinnen
Chrysanthemen als Schnittblumen halten in der Vase zwei Wochen, ein Alpenveilchen auf der kühlen Fensterbank blüht bis in den Winter. Weiss und Creme wirken still, Bordeaux und Kupfer wärmen die graue Jahreszeit. Oder Sie nehmen schlicht die Farbe, die der Mensch am liebsten trug.
Ein Licht im Fenster
Am Abend des 1. November oder am Ewigkeitssonntag eine Kerze ins Fenster zu stellen, ist ein alter Brauch, der sich auch in Mietwohnungen ohne Garten und Grab weiterführen lässt. Wer Kinder hat, erklärt ihnen dabei, für wen das Licht brennt.
Tipp: an die Trauernden denken
Wer in diesem Jahr jemanden verloren hat, erlebt das erste Allerheiligen oder den ersten Ewigkeitssonntag ohne diesen Menschen. Ein Herbststrauss mit ein paar handgeschriebenen Zeilen, ein paar Tage vorher an die Wohnadresse geschickt, sagt mehr als jedes Gesteck auf dem Grab. Formulierungshilfen finden Sie im Ratgeber Kondolenz.
Häufige Fragen
In welchen Kantonen ist Allerheiligen ein Feiertag?
Als Feiertag mit Sonntagsstatus gilt der 1. November in Luzern, Uri, Schwyz, Obwalden, Nidwalden, Glarus, Zug, St. Gallen, Tessin und Wallis; auch in Appenzell Innerrhoden und im Jura ist er gesetzlich anerkannt. In Freiburg, Solothurn, Graubünden und im Aargau ist er nur in einem Teil der Gemeinden frei. In Zürich, Bern, Basel, Waadt, Genf und den übrigen Kantonen ist Allerheiligen ein normaler Arbeitstag.
Was ist der Ewigkeitssonntag und wann ist er?
Der Ewigkeitssonntag, auch Totensonntag genannt, ist der letzte Sonntag des Kirchenjahres, also der Sonntag vor dem ersten Advent. In den reformierten Kirchgemeinden der Schweiz ist er der Tag, an dem im Gottesdienst der Verstorbenen des vergangenen Jahres gedacht wird. Ein staatlicher Feiertag ist er nicht.
Allerheiligen oder Allerseelen: an welchem Tag geht man zum Grab?
Liturgisch ist Allerseelen am 2. November der Tag der Verstorbenen, Allerheiligen am 1. November der Tag aller Heiligen. Weil der 1. November in den katholischen Kantonen arbeitsfrei ist, findet der Friedhofsbesuch mit Gräbersegnung dort meist am Nachmittag von Allerheiligen statt. In Gemeinden ohne Feiertag weicht die Segnung oft auf das folgende Wochenende aus.
Kann ich Blumen direkt auf das Grab liefern lassen?
Nein. Blumenversand bringt Sträusse und Gestecke an eine Hausadresse, zu einer einzelnen Grabstelle fährt niemand. Wenn Sie weit weg wohnen, beauftragen Sie eine Friedhofsgärtnerei oder eine Gartenbaufirma am Ort mit der Herbstbepflanzung; die Friedhofverwaltung der Gemeinde nennt Ihnen die Betriebe, die dort arbeiten. Blumen für die Angehörigen schicken Sie an deren Wohnadresse.
Welche Pflanzen überstehen auf dem Grab den November?
Besenheide (Calluna), Silberblatt, Purpurglöckchen, Skimmie, Scheinbeere und kleine Koniferen vertragen Frost. Garten-Chrysanthemen im Topf halten leichten Frost aus, nicht aber mehrere Nächte Dauerfrost. Tannen- und Föhrenzweige als Abdeckung schützen die Dauerbepflanzung bis ins Frühjahr.
Was gilt für Blumen am Gemeinschaftsgrab?
Beim Gemeinschaftsgrab, in dem viele Urnen gemeinsam beigesetzt sind, gibt es keine eigene Grabfläche. Die meisten Friedhöfe sehen dafür eine gemeinsame Ablagestelle vor, an der Schnittblumen ohne Gefäss und Grablichter erlaubt sind, Topfpflanzen, Schalen und Gestecke dagegen nicht. Was genau gilt, steht im Friedhofreglement der Gemeinde oder auf einer Tafel am Grab.
Zum Weiterlesen
Hintergründe zu den Gedenktagen und zur Feiertagsregelung:
Sträusse und Gestecke von Floristen aus der Region, zugestellt an eine Wohnadresse in der Schweiz. In Kantonen mit Feiertag planen Sie die Zustellung für einen Werktag davor.